Feuerwehr - angedrohte Anzeige bleibt aus

Mettmann : Feuerwehr: Angedrohte Anzeige bleibt aus

Anwohner hatten wegen zu lauter Martinshörner rechtliche Schritte angekündigt. Fachleute betonen: Leiser geht nicht.

Gegen zu laute Martinshörner der Feuerwehr Mettmann liegt bislang noch keine Anzeige vor. Das berichtet jetzt die Kreispolizei Mettmann auf Nachfrage unserer Redaktion. Damit haben die Nachbarn der Feuerwache ihre Drohung bis jetzt nicht in die Tat umgesetzt. Sie wollten Anzeige erstatten, sofern die Mettmanner Feuerwehr zu ihren Einsätzen weiterhin mit lautstark eingeschalteten Martinshörnern fährt.

In einer anonymen E-Mail hatten sich Mettmanner Bürger im Nachgang eines besonders einsatzreichen Freitags am 19. Juli darüber beschwert, dass die Feuerwehr die Martinshörner ihrer Fahrzeuge „in krankmachender Form“ einsetzt. Die Bewohner drohten mit „Anzeige wegen Körperverletzung“. Den Inhalt dieser Mail veröffentlichte die Feuerwehr am darauf folgenden Sonntag auf ihrer Facebook-Seite, was deutschlandweit zu großer Aufmerksamkeit führte. Fast alle Kommentare erklärten sich mit der Feuerwehr solidarisch und zeigten Unverständnis für die anonymen Beschwerdeführer.

In zwei Leserbriefen an die RP versuchen diese indes ihre Haltung zu verteidigen. „Die Emotionen der Mail-Antworter gehen am Thema vorbei“, heißt es in einem Brief (die Namen der Autoren liegen der RP vor): „Kein Mensch mit Verstand hat etwas gegen Rettungseinsätze, von wem auch immer“, schreibt ein Mettmanner Bürger. „Aber alle Fahrer aller Einsatzfahrzeuge eint das Verhalten, bei komplett leerer Straße durchweg abends nervtötend, aber überflüssig, Lärm zu machen.“

In der E-Mail einer weiteren Betroffenen an die RP-Redaktion heißt es: „Ich möchte einfach nur erreichen, dass, wie in der anonymen Mail, eine Geräuschreduzierung herbei geführt wird. In dieser Mail ist ganz klar zum Ausdruck gekommen, dass sich kein Bürger anmaßt, (zu fordern, die Red.) dass die Martinshörner ausgeschaltet werden, sondern in welcher Lautstärke. Da lobe ich zum Beispiel unsere Polizei, die in erwähnten Zeiten ganz dezent nur das Blaulicht einschalten. Vielen Dank für die Feinfühligkeit dieser Beamten.“

Doch lassen sich die Martinshörner der Feuerwehr Mettmann überhaupt leiser stellen? Mirko Braunheim, stellvertretender Kreisbrandmeister, verneint. Er spricht in diesem Zusammenhang von „Folgehornton“ – so heißt das Martinshorn in der Fachwelt: „Eine technische Vorrichtung zur Regulierung der Lautstärke eines Folgetonhorns ist hier nicht bekannt“, sagt Braunheim und führt weiter aus: „Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die DIN 14610 (,Akustische Warneinrichtungen für bevorrechtigte Wegebenutzer’) für Tonfolgeanlagen eine Mindestlautstärke vorschreibt, nämlich 110 dB (A), und dies auch Zulassungsvoraussetzung für diese Anlagen ist.“

Zudem dürfe die Feuerwehr laut Straßenverkehrsordnung nur dann Sonder- und Wegerechte in Anspruch nehmen – also Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern erhalten, bei „Rot“ über die Kreuzung fahren und Verkehrszeichen ignorieren – wenn Blaulicht und Martinshorn zusammen eingeschaltet werden, betont Braunheim. Das bestätigt auch Marco Zerweiß, Leiter der Mettmanner Feuerwehr: „Technisch gibt es in keinem Fahrzeug die Möglichkeit zur Lautstärkebeeinflussung der Hörner“, sagt er auf Nachfrage unserer Redaktion. Würden sie vollständig abgeschaltet, „dann stehen die Kollegen von der Gesetzeslage her mit einem Bein im Knast“, betont Zerweiß. Er sichert zu, dass die Martinshörner „verhältnismäßig eingesetzt werden“ und „bürgerfreundlich unterwegs“ sind. Doch er gibt zu bedenken: „Jeder Zweite hat einen Stöpsel im Ohr und hört Musik.“ Auch diese Verkehrsteilnehmer müssten auf das heran eilende Einsatzfahrzeug aufmerksam gemacht werden. 

(arue)