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Kreis Mettmann: Faltig wie ein großes Gebirge

Kreis Mettmann : Faltig wie ein großes Gebirge

Die Architektur der von Professor Gottfried Böhm entworfenen Wallfahrtskirche befremdet und begeistert zugleich.Sie ist der Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils verpflichtet. Unzählige Besuchergruppen pilgern zur Kapelle mit dem Gnadenbild.

Franziskanerpater Herbert Schneider lebt seit vier Jahren im Kloster Neviges. Unzählige Besuchergruppen hat er seitdem durch den Mariendom geführt, und sagt dennoch: „Ich begeistere mich immer noch jedes Mal neu für dieses einzigartige Bauwerk.“ Denn das Besondere am Wallfahrtsort Neviges ist nicht allein das Gnadenbild, zu dem die Gläubigen pilgern, sondern auch die Wallfahrtskirche, die 2008 das 40-jährige Weihejubiläum feiert.

Die Architektur des Mariendoms lässt die meisten Betrachter im ersten Moment stutzen. Das soll eine Kirche sein? Zunächst scheint der Bau wirklich wenig mit einer Kirche gemeinsam zu haben und wirkt von außen eher wie ein zerklüfteter Berg aus unregelmäßigen Betonflächen. Er habe „die hügelige Landschaft des Bergischen Landes wiederspiegeln“ wollen, hat der Architekt Gottfried Böhm dazu einmal gesagt. Im Innenraum fühlt sich der Besucher wie auf einem großen Platz unter einem Zeltdach, weil die Decke des Kirchenraums durch dessen ungewöhnliche Breite und die äußerst unauffälligen Stützsäulen beinahe frei schwebend wirkt. Auch das hat seinen Grund: Böhm wollte die Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils architektonisch umsetzen.

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Das Innere erinnert an Zelte

Durch verschiedene Emporen in unterschiedlichen Höhen, die wie Balkone wirken, entsteht der Eindruck eines städtischen Platzes. Erst nach und nach zeigt sich, dass viele Aspekte des Gotteshauses mit der Bauform traditioneller Kirchen korrespondieren. Tatsächlich gibt es neben dem Hauptraum, dessen Dach die Form dreier ineinander geschobener Zelte hat, noch unter anderem die Sakramentskapelle, die Marienkapelle und eine Orgelempore. Der Übergang zwischen den einzelnen Gebäudeteilen verläuft jedoch fließender als in alten Kirchen. Durch die fast ovale Form des Mariendoms wirkt der Bau offener als eine allein auf den Altar zulaufende Kirche. Dass dieser im Mittelpunkt des Gotteshauses steht, ist natürlich trotzdem unverkennbar. Durch die schrägen Wandflächen und ihre asymmetrische Anordnung wirkt der Bau beweglich und scheint sich zu drehen.

Begleiterin auf dem Weg

Drehpunkt ist der Altar, auf den durch drei großflächige Fenster auch stets das meiste Tageslicht fällt. In die tragende Säule der Deckenkonstruktion ist die Kanzel integriert. Die Marienkapelle mit dem Gnadenbild befindet sich unscheinbar am Rande des Doms, beinahe in einer Nische. Diese Bauform soll verdeutlichen, dass Maria eine Wegbegleiterin des Pilgers auf dessen Weg zu Christus ist. In den vierzig Jahren seines Bestehens hat sich wenig am Dom verändert. Um ihn auch im Winter nutzen zu können, wurde das Betondach in den 80er-Jahren mit einer Kunststoff-Isolation überzogen. Böhm hatte die Kirche ursprünglich als Pilgerkirche nur für den Sommer konzipiert. Im Innenraum hat sich nahezu nichts verändert.

In der Unterkirche, in der sich die Beichtstühle, die täglich geöffnet sind, befinden, haben die Franziskaner schon vor vielen Jahren eine Krypta eingerichtet. Im Jahr 2000 wurde sie von Böhm neu gestaltet. Auch dort findet sich jetzt das Motiv der Rose, dem Symbol von Maria, das auch in den Fenstern des Gotteshauses zu sehen ist. Der Dom sei sein „bestes Werk“ habe Böhm noch im Oktober zu ihm gesagt, erinnert sich Pater Schneider.

(RP)