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Analyse: Falsche Strategie im Rathauschef-Sessel

Analyse : Falsche Strategie im Rathauschef-Sessel

Bürgermeister Bernd Günther hatte nicht die richtigen Berater in schwierigen Situationen. Es wurde zu wenig agiert, stattdessen reagiert. Seine soziale Kompetenz ist unbestritten.

Der Mensch Bernd Günther ist nett, charmant, freundlich und hilfsbereit. Sein christlich geprägtes Engagement hat sich bei der Hochwasserhilfe in Dresden gezeigt und in seinem Bemühen - gemeinsam mit seiner Frau - armen Menschen in Mettmann zu helfen.

Als Bürgermeister hat Günther hingegen Fehler gemacht, die eigentlich vermeidbar gewesen wären. Er hat zunächst nicht alle seine Dezernenten und Fachbereichsleiter ins gemeinsame Boot geholt oder holen können. Der Neuling Günther wurde im Rathaus nicht so akzeptiert, wie er, Günther, sich dies gewünscht hatte. Und wenn er dann von seiner Weisungsbefugnis Gebrauch gemacht hat, gab's Widerstände - erst klammheimlich, dann öffentlich. Will sagen, es wurde über Günthers Führungsstil und über seine Kompetenz als Verwaltungschef in der Öffentlichkeit gesprochen, er wurde kritisiert und alleingelassen.

Günther suchte Rat bei einem kleinen Kreis Vertrauter im Rathaus und bei Freunden und Bekannten. Die konnten ihm zwar Tipps geben, doch letztlich waren die gut gemeinten Ratschläge im Alltag nicht ohne Widerstand umsetzbar. Günther holte sich dann eine Pressesprecherin, die auf den ersten Blick einen kompetenten Eindruck machte. Doch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit sieht anders aus. Es wurde in der Chefetage im Rathaus eher reagiert, als agiert. Also: Von der Stabstelle gab's zunächst kaum eigene Verlautbarungen zu "Aufregern". Wenn, dann wartete man erst mal ab, reagierte nur auf Anfragen von außen. Das bedeutet: Man befand sich in einer Verteidigungsposition.

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Günther verordnete seinen Mitarbeitern im Rathaus einen Maulkorb. Das bedeutet: Jegliche Anfrage ging über die Pressesprecherin. Die war meist nicht in der Lage, eine kompetente Antwort zu geben, sondern reichte den Hörer zum Fachdezernenten weiter. Also nicht mehr als eine Kontrollfunktion. Und dann gab's jede Menge Fettnäpfchen, in die der Bürgermeister reingetreten ist: Beispiel: Ehrung der ausgeschiedenen stellvertretenden Bürgermeister. Die wurde schlichtweg vergessen. Kann passieren, dann muss man aber so ehrlich sein, dies zuzugeben. Beispiel Stadtwaldhaus: Ein monatelanger Eiertanz mit einem miesen Ergebnis. Auch da reagierte Günther erst auf Druck von außen, anstatt aus der unendlichen Geschichte eine eigene Erfolgsstory zu machen. Deutlich besser war hingegen der Umgang mit den 3,5 Millionen Euro Mehrkosten für die Seibelspange. Eine schlimme Geschichte, doch die Verwaltung ging in die Offensive und gab Fehler zu. Gleichwohl gab's Häme aus der Öffentlichkeit. Fazit: Bürgermeister Bernd Günther hatte nicht die richtigen Berater und er hat selbst zu wenig Kreativität und politischen Instinkt besessen, Dinge nach vorne zu bringen und sie in der Öffentlichkeit zu verkaufen. Als Mensch bleibt Günther hingegen ein Vorbild.

(RP)