Fachhochschule der Wirtschaft in Mettmann bringt Berufspraxis in die Lehre ein.

Fachhochschule der Wirtschaft : Ein Prof, der aus der Wirtschaft kommt

Michael Thiemermann bringt in die Lehre an der FHDW die Erfahrung als Personalvorstand eines Großunternehmens ein.

Wenn Michael Thiemermann auf seine eigene BWL-Studentenzeit zurückblickt, graust es ihm noch immer: weit mehr als 500 junge Leute, die sich in einen überfüllten Hörsaal quetschen. Der Professor kommt hereingeschwebt, begleitet von Assistenten, von denen einer ihm den Aktenordner aufklappt. Los geht’s mit der Vorlesung, die nüchtern wie bei einem Nachrichtensprecher heruntergespult wird. Pünktlich nach 90 Minuten schließt sich der Ordner mit den Aufzeichnungen, der Vortragende schwebt wieder zur Tür hinaus und lässt hunderte eifrig Mitschreibende mit all ihren Fragen zurück.

Thiemermann ist heilfroh, dass er seinen Studenten an der privaten, familiären Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Mettmann derart trockene Lehrveranstaltungen nach „Schema F“, wie sie der Massenbetrieb einer staatlichen Uni zwangsläufig hervorbringt, ersparen kann. „Nutzt die Chance, ihr könnt fragen“, ermuntert der Professor für Betriebswirtschaftslehre sogleich die höchstens 35 jungen Leute im Raum, die er nach der zweiten Vorlesung mit Namen kennt, und die in den drei Jahren bis zum Bachelor zur Gemeinschaft zusammenwachsen.

„Das ist komplett anders als an einer staatlichen Uni mit ihren riesigen Hörsälen.“ Thiemermann will das BWL-Lernpensum nicht bloß vermitteln, er will es mit den Studenten diskutieren, ihnen durch gezielte Fragen die komplexen Sachverhalte verständlich machen und vor allem die Konsequenzen aufzeigen, die wirtschaftliches Handeln an verantwortlicher Stelle mit sich bringt. „Das ist doch viel nachhaltiger“, sagt er über den Lerneffekt.

Zum unschätzbaren Pfund für die jungen Leute wird, dass - im Unterschied zur staatlichen Uni - Thiemermann wie auch die anderen FHDW-Dozenten aus der privaten Wirtschaft kommen, sich dort bewiesen und erlebt haben, was in der Berufswelt gefragt ist. Das sei wesentlich, betont der 59-Jährige mit Blick auf das Selbstverständnis der Fachhochschule in Mettmann.

Während Universitäten eher wissenschafts- und forschungsorientiert sind, standen Fachhochschulen schon immer für Praxisbezug, haben hier die Nase vorn. An jener in Mettmann wird dies durch das Duale Studium mit der Theorie an der Marie-Curie-Straße und der Praxis in einer Firma – jeweils im dreimonatigen Wechsel – extrem verstärkt. Obendrein werden die Studieninhalte auch mit den gut 70 Unternehmenspartnern aus der Region – vom Mittelständler bis zum Großkonzern – entwickelt.

Dies macht die Absolventen, die neben allem Theoriewissen über ein Praxis-Zusatzpaket verfügen, zu gefragten Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt. Dass sie umworben werden und zwischen verschiedenen Jobofferten wählen können, weiß Thiemermann nur zu gut.

15 Jahre war der BWL-Professor vor seiner Lehrtätigkeit in verschiedenen Positionen bei einem weltweit agierenden Versicherungskonzern tätig, ist dort bis zum Personalvorstand aufgestiegen, verantwortlich für 25.000 Mitarbeiter. Heute bekleidet er neben seiner Hochschul-Lehrtätigkeit Aufsichtsratsmandate, ist Geschäftsführer einer GmbH, die Analysen für die Versicherungsbranche anfertigt. Seine Studenten profitieren davon. „Aus diesem Erfahrungsschatz“, sagt er, „gibt es eine Menge praktischer Beispiele, die in die Lehre einfließen können und den Unterricht authentisch und anwendungsbezogen machen.“

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