Kreis Mettmann: Erweiterung der Fantasie

Kreis Mettmann: Erweiterung der Fantasie

In der Galerie Am Zault wurde die Ausstellung „Bibliothek der Mythen und Märchen“ eröffnet.In den Mittelpunkt ihrer Kreativität haben die Künstler das Objekt Buch als einen besonderen Energieträger gestellt.

ERKRATH/UNTERBACH „Das Buch ist eine Erweiterung des Gedächtnisses und der Fantasie“, zitierte Henriette Astor den argentinischen Autor Jorge Luis Borges. Das Buch enthalte einen besonderen Zauber, sei Energieträger –ein Mythos. Auch das verschlossene Buch im Schrank enthalte Welten, Abgründe und Mysterien, führte Astor in der Galerie Am Zault zudem in die Ausstellung „Bibliothek der Mythen und Märchen“ ein. „Jedem seine Mythen und Märchen. Die Bibliothek, als Gesamtwerk gesehen, stellt die traditionellen Vorstellungen auf den Kopf.“

22 Künstler engagiert

Nach der Idee von Henriette Astor und unter ihrer Projektleitung nahmen sich 22 Mitglieder vom Haus Hildener Künstler („H6“) auf unterschiedliche Weise des literarischen Themas an – unter ihnen auch Maler und Plastiker aus Erkrath, Unterbach und Köln. Ein Jahr lang (2003/04) befassten sie sich mit unzähligen relevanten Themen, Kunst- und Literaturrichtungen, bis hin zu „Fluxus“ und „Dada“. In „H6“ und der Hildener Bücherei sowie in Eitorf waren die ausgefallenen Exponate bereits zu sehen.

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Für die Präsentation in der Galerie des Initiativkreises Unterbacher Kulturtage gestalteten Willi Bitter und Peter Weisner die „Bibliothek“ neu, einschließlich eines Lese-Sessels („für den großen Geist“) mit rotem Samtbezug. „Runter mit den Werken vom Sockel. Gute Arbeit setzt sich sowieso durch“, sagte Weisner, der andererseits Bedenken anmeldete, dass Bücher angesichts der digitalen Welt zum Mythos würden.

Die Ausstellung „Bibliothek der Mythen und Märchen“ besticht durch Vielfalt, Einfallsreichtum, Esprit, Techniken. „Es wurde durchbohrt, zertrümmert, geklebt, gesägt, gefaltet, verhüllt, geöffnet“, sagt Henriette Astor. Willy Bitter nennt sein Werk „Der ganze G. und ein Zitat“. Durch das gestanzte Loch in einer Goethe-Sammlung entdeckt der Betrachter das Bild des Dichterfürsten in Italien, mit einer Rose. „Orpheus in der Unterwelt“, von Annette Simon besteht aus einem bearbeiteten, dunkel bemalten Buch und einem Eierschneider als Harfe. Désirée Astors edles, cremefarbenes Buch, „Ruhm des Pegasus“, zieren Federn. Ein schweres Tau scheint es am Boden zu halten. Henriette Astor hat sich der Geschichte von Ariadne und dem schönen Theseus angenommen. „SOS Ariadne“ lautet der Titel zu einem dicken Knäuel aus Kordel und beschrifteten Stoffstreifen. Bei Katti Röttger-Hartlief wird ein gegossener Kristallglas-Block zu einer Buchskulptur.

„Bücher bestehen nur aus Papier und Druckerschwärze und doch spiegeln sie die ganze Gesellschaft wieder“, beschreibt Iris Melzer ihr Buch aus Pappe, Büttenpapier und Spiegelstücken.

(RP)
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