Erstmals leitet eine Frau das Amtsgericht

Mettmann : Erstmals leitet eine Frau das Amtsgericht

Barbara Gebauer wurde jetzt in ihr Amt eingeführt. Sie folgt auf Thomas Künzel, der nach Remscheid wechselte.

Ein ungewohnter Anblick bot sich dem Gast, der jetzt das Mettmanner Amtsgericht besuchte. Mit Stühlen war das Foyer in einen kleinen Festsaal verwandelt worden. Die Speisen des Buffets standen in einem Gerichtssaal bereit, und die Sektgläser waren unweit der Einlasskontrollen aufgebaut. Das Amtsgericht in Feierstimmung: Bei einem Festakt wurden der bisherige Leiter Thomas Künzel verabschiedet und Barbara Gebauer als seine Nachfolgerin begrüßt.

Gäste und Redner dieses Festaktes waren unter anderen Annette Lehmberg, Präsidentin des Landgerichts Wuppertal – das Amtsgericht Mettmann gehört zu dessen Bezirk – Werner Richter, Präsident des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Landrat Thomas Hendele, der Leitende Polizeidirektor Manfred Frorath und Mettmanns Bürgermeister Thomas Dinkelmann.

Doch auch die Mitarbeiter hatten sich am Rande des Schauplatzes eingefunden und wissen von ihrer neuen Chefin, die ihr Amt inoffiziell bereits im März dieses Jahres antrat, Gutes zu berichten. „Sie ist sehr offen“, sagt eine Beschäftigte. „Wir haben ein sehr gutes Betriebsklima“, bestätigt eine andere.

Ist es noch etwas Besonderes, dass erstmals eine Frau Leiterin des Amtsgerichtes ist? Die Mitarbeiterinnen schmunzeln. „Sehen sie sich doch mal um“, sagt die eine und erinnert sich. „Früher waren die Berufe am Amtsgericht eher von Männern dominiert.“ Mittlerweile habe sich das Verhältnis umgekehrt; es arbeiten sichtlich mehr Frauen als Männer in dieser Behörde. Und mit Tanja Fries, der stellvertretenden Direktorin, die das Amtsgericht in der Übergangszeit fast ein Jahr lang leitete, habe man ja auch schon eine weibliche Chefin gehabt. In seiner Ansprache dankte Werner Richter, Präsident des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Tanja Fries später für ihr großes Engagement.

Barbara Gebauer zeigte sich indes als gut gelaunte Gastgeberin. „Angemessen aufgeregt“, sei sie, so erzählt die 49-Jährige vor dem Festakt, der angenehm unaufgeregt und begleitet von warmherzigen Worten verlief. Landrat Thomas Hendele erinnerte in seiner Rede an den umstrittenen Blitzer auf der A3, gegen den Autofahrer geklagt hatten. „Das stellte das Amtsgericht Mettmann vor besondere Herausforderungen“, sagte Hendele, denn es handelte sich um einen diffizilen Streit um Standort und Art der Aufstellung des Gerätes, der Amtsgerichtsdirektor Thomas Künzel unter anderem auch zu einer Ortsbesichtigung veranlasste. Hendele betonte die enge Kooperation des Kreises mit dem Amtsgericht, die sich auch darin begründe, dass „alle 108 identifizierten Clans“ auch Ableger im Kreis Mettmann haben.

Ein Thema, mit dem sich nun auch die Nachfolgerin des bisherigen Direktors, Barbara Gebauer, befassen muss. Die Juristin stammt aus dem Raum Mönchengladbach und studierte in Köln. Ihre berufliche Laufbahn führte sie unter anderem nach Düsseldorf, New York und Wuppertal. Im November 2010 wurde sie stellvertretende Direktorin des Amtsgerichts Velbert, 2014 dessen Direktorin.

Nun übernimmt sie mit dem Amtsgericht Mettmann eine gut geführte Behörde, wie der Sprecher des Landgerichts, Arnim Kolat, berichtet: Die Verfahrensdauer im Bereich Strafrecht beträgt 5,6 Monate, im Zivilrecht 5,2 Monate und in Familiensachen 4,7 Monate. „Das ist ein sehr guter Wert“, sagt Kolat. 2018 gingen beim Amtsgericht Mettmann 758 Strafrechtsfälle zur Bearbeitung ein (ein leichtes Plus im Vergleich zu 2017), 1430 Zivil- und 1031 Familiensachen. „Das ist nicht wenig“, betont Kolat.

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