Erkrath: Er wollte Bischof werden

Erkrath: Er wollte Bischof werden

Der Bildhauer Bruno Stane Grill präsentiert 80 Plastiken und 80 Zeichnungen zum 80. Geburtstag. Die Arbeiten des aus Kroatien stammenden Künstlers lassen disziplinierte Wildheit erkennen.

„Leben? Wunderschön! Gott, wie gerne ich gelebt habe”, sagt Bruno Stane Grill. 80 Lebensjahre liegen jetzt hinter ihm. Seinen Geburtstag feiert der agile Künstler mit einer Atelierausstellung in der Wasserburg Haus Brück. 80 Zeichnungen und 80 Plastiken sind dort zu sehen – eine beeindruckende Menge. Bacchus blickt aus einer Federzeichnung herüber, auf dem Papier zum Leben erwacht, mit Trauben geschmückt und mit forschendem Blick.

Bruno Stane Grill erzählt aus seinem Leben, von seiner Neugier und Suche, seiner Sehnsucht und seinen Träumen. Wie er als Junge am Strand von Dubrovnik die Sonne im Meer versinken sah. Zischend, hatte ihm die Mutter erzählt. Von seinen Cowboy-Zeichnungen und dem Wunsch, Bischof zu werden. Von der Werkkunstschule in Zagreb und der Familie, die ihn nach Deutschland einlud. Wie er bei Ruhrchemie für 1,60 DM Stundenlohn arbeitete, um sich sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie zu verdienen. Von seinem Professor in der Bildhauerklasse, Zoltan Szekessy und den Radierungen bei Rolf Sackenheim, seiner Zeit als Meisterschüler und den Menschen, denen er begegnete.

Joseph Beuys war Trauzeuge

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Eine tiefe Freundschaft verband ihn mit Joseph Beuys, der zusammen mit seiner Frau Eva sein Trauzeuge wurde, als er 1963 die Malerin Anna Maria Grill heiratete. Er erzählt von übermütig-trotzigen Kunstaktionen und seinen Aufträgen für die katholische Kirche, seiner Bewunderung für die Werke, die der Glaube in Jahrhunderten geschaffen hat, seinem Freund Dechant Ernst Harnacke. Während viele, mit denen er in freundschaftlichem Kontakt stand (unter ihnen Mataré, Goetz oder Ücker), Berühmtheit erlangten, blieb Bruno Stane Grill in der breiten Öffentlichkeit unbekannt. Er arbeitete 33 Jahre lang als Kunstlehrer am Langenfelder Gymnasium. Leid tut ihm das nicht: „Ich habe viel von den Kindern gelernt“, sagt er. Seine neuen Halbplastiken erobern den Raum auf eigene Weise. Seine Kunst ist Ausdruck seiner Erfahrungen, Wurzeln und seiner Seele, und die hat er nie verkauft. Noch immer ist in seinen Arbeiten eine Art disziplinierte Wildheit zu spüren, voller Leben und zerbrechlich zugleich. „Neue Renaissance“ nennt er selbst seinen Stil, modische Effekthascherei ohne geistiges und handwerkliches Fundament straft er mit Verachtung. „Dieser Satz von Joseph Beuys ‘Jeder Mensch ist ein Künstler´ ist völlig missverstanden worden“, weiß er. Einige Monate im Jahr verbringt er in Kroatien, dort wohnen möchte er nicht mehr. „Meine Werke sind hier entstanden. Ich bekomme immer Heimweh nach Germanien.“ Hier hat er seine geistige Heimat gefunden.

Über seinem Leben und Schaffen steht ein Goethe-Zitat: „Es soll sich regen, schaffend handeln, Erst sich gestalten, dann verwandeln; Nur scheinbar steht’s Momente still. Das Ewige regt sich fort in allem: Denn alles muss in Nichts zerfallen; Wenn es im Sein beharren will.“

Atelierausstellung in Haus Brück, Erkrath, bis Sonntag, 16. Dezember; werktags von 16-19 Uhr, am Wochenende von 11-18 Uhr geöffnet

(RP)
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