Erkrath: Eine Orgel zieht um

Erkrath: Eine Orgel zieht um

Die evangelische Gemeinde in Unterfeldhaus hat ein Zuhause bei den katholischen Nachbarn gefunden. Auch die Orgel wechselt den Standort. Ob sie mit dem katholischen Instrument harmoniert, wird sich zeigen.

In Unterfeldhaus hat der heiße Herbst begonnen. Im Zuge der Schließung des evangelischen Gemeindezentrums muss nun die Orgel ausziehen. Ihre neue Heimat findet sie, wie ihre Gemeinde, als Untermieterin im katholischen Gemeindezentrum. Es entsteht damit eine Art Orgel-Wohngemeinschaft, denn vor Ort gibt es bereits eine Orgel. Die beiden Kirchenmusiker Gabriele Weck und Mathias Baumeister sind schon gespannt, ob ihre Instrumente untereinander harmonieren werden. Unterschiedlicher könnten die Orgeln kaum sein.

Auftritt im Duell geplant

Die Evangelische wurde im Jahr 1988 von Lukas Fischer nach dem klanglichen Vorbild der Barockorgeln gebaut. "Sie ist handwerklich sehr gut ausgeführt und verfügt über zwei Manuale mit schönen Flötenklängen", umschreibt Weck ihr Arbeitsgerät. Die Klangfarbe, das ist schon beim Anspielen deutlich hörbar, schimmert warm, aber rein. Der hölzern-stumpfe Hall ermöglicht die für barocke Musik typische klare Abgrenzung der Töne. Ihre katholische Schwester entstammt dem Computerzeitalter und kommt wesentlich moderner daher. "Sie ist eher für romantische Musik geeignet", findet Baumeister. Durch die Orgel-WG entsteht die sehr seltene, äußerst reizvolle Möglichkeit, zwei Orgeln im Duett erklingen zu lassen. Ob das in hörenswerter Weise funktioniert, wagen die beiden Organisten nicht zu prognostizieren. Versuchen wollen sie es in jedem Fall anlässlich des Gottesdienstes am 9. Dezember, der zum Dank für die Umzugshelfer unter dem Titel "Thank you for the music" gefeiert werden soll.

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Verkauf war nie im Gespräch

Bis dahin ist die Wegstrecke durch Unterfeldhaus zurückzulegen. Durch die fachkundigen Hände des Orgelbauerteams um Werner Gibisch, der sich regelmäßig um die Wartung kümmert, muss die Orgel für den Transport in ihre Einzelteile zerlegt und auf einen Lkw geladen werden. Die einst 110 000 Mark teure Orgel zu verkaufen, war nie im Gespräch. Der Markt für gebrauchte Orgeln ist durch viele Kirchenschließungen gesättigt. "Gleich nach der Hausschließung kam aus der Gemeinde der unbedingte Wunsch nach dem Behalten der Orgel. Ihr Anblick ist vielen vertraut", berichtet Presbyter Michael Wilfert. Die Umzugskosten von 5500 Euro übernehmen Spender und die Gemeinde.

(lard)
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