Martin Müschenich Eine Hilfeleistung, wenn das Tier leidet

Mettmann · Martin Müschenich ist Tierarzt in Mettmann. Zu ihm kommen Besitzer auch, wenn sich das Ende ihrer Tiere ankündigt.

 Tierärzte kennen die Krankengeschichte ihrer Patienten und untersuchen sie vor einschneidenden Maßnahmen ganz genau.

Tierärzte kennen die Krankengeschichte ihrer Patienten und untersuchen sie vor einschneidenden Maßnahmen ganz genau.

Foto: Finger, Stefan

Herr Dr. Müschenich, irgendwann kommt für jeden Tierbesitzer der Tag, an dem er von seinem Tier Abschied nehmen muss. Manchmal kündigt sich das Ende lange vorher an, weil Hund oder Katze krank oder altersschwach waren. Aber immer bleibt es eine sehr emotionale Entscheidung. Auch für Sie als Tierarzt?

Müschenich Ja eindeutig! Als ich vor knapp 30 Jahren meine Praxis eröffnet habe, hatte ich noch die Vorstellung, dass man sich daran vielleicht irgendwann gewöhnt. Aber es ist bis heute keine Routine geworden. Oft kenne ich ja nicht nur die Patienten, sondern auch die Besitzer schon seit vielen Jahren. Da nimmt man die Dinge auch schon mal "mit nach Hause".

Sie selbst wissen doch oft, dass es keinen anderen Weg gibt. Was macht die Sache für Sie so schwierig?

Müschenich Ich kann als Tierarzt nicht einfach nur den Zustand des Tieres zusammen mit dem Betreuer beweinen und dann nach Hause fahren. Von mir wird eine Entscheidung erwartet. Dafür muss man jedes Mal ganz dicht dran sein - am Tier und erst recht am Menschen. Es sind die Momente größten Vertrauens zwischen Tierarzt, Besitzer und Tier.

Und was hilft Ihnen dabei, diese Entscheidung zu treffen?

Müschenich Ich kenne natürlich die Krankengeschichte, habe das Tier vorher gründlich untersucht, und kann mir unter anderem Laborwerte anschauen. Aber auch ein Tier mit schlechten Werten kann sich noch gut fühlen und eine Zeit lang damit beschwerdefrei leben. Deshalb ist auch der intensive Austausch mit dem Besitzer wichtig, der tagtäglich mit seinem Tier zusammen ist und es daher gut kennt.

Von Tierbesitzern hört man nach dem Einschläfern eines Tieres oft, dass sie wussten, dass es an der Zeit war. Was halten Sie von solchen Wahrnehmungen?

Müschenich Sehr viel. Ich sage den Leuten oft: "Ihr Tier zeigt Ihnen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist." Es gibt ein Miteinander von Mensch und Tier, das so etwas möglich werden lässt. Es soll nicht esoterisch klingen, aber diese Erfahrung habe ich durchaus schon gemacht. Und dennoch muss man irgendwann loslassen.

Wie können Sie dabei helfen?

Müschenich Für ein Abschiednehmen braucht man Zeit. Wenn es der Zustand des Tieres noch zulässt, sage ich den Besitzern auch schon mal, dass sie ihren Hund oder ihre Katze noch mal mit nach Hause nehmen sollen, um den Familienrat tagen zu lassen und so den richtigen Zeitpunkt zu finden.

Und dann kommen die Leute wieder zu Ihnen oder machen Sie auch Hausbesuche?

Müschenich Beides ist möglich. Manchmal wünschen sich die Besitzer für ihr Tier eine vertraute Umgebung in den eigenen vier Wänden. Andere wiederum beruhigt die Atmosphäre in der Praxis.

Was bleibt, ist die Trauer.

Müschenich Die Trauer und manchmal auch das schlechte Gefühl, eine willkürliche Entscheidung über den Todeszeitpunkt getroffen zu haben. Darüber muss man sprechen. Letztendlich muss man die Möglichkeit, ein leidendes Tier einschläfern zu dürfen, aber auch als Hilfeleistung ansehen.

SABINE MAGUIRE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(magu)
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