Erkrath: Eine Gemeinde zieht um

Erkrath : Eine Gemeinde zieht um

Zwischen Aufbruchstimmung und Sentimentalität: Mit vielen Helfern hat die evangelische Bezirksgemeinde Unterfeldhaus ihre Heimat verlassen und ist in das katholische Gemeindezentrum am Niemannsweg gezogen.

Es geht zu wie in einem Taubenschlag: Kaum ist die erste Ladung mit Tischen und Stühlen im Transporter verstaut, rücken neue Helfer an, um kräftig anzupacken. Der Umzug der evangelischen Bezirksgemeinde Unterfeldhaus in das katholische Gemeindezentrum am Niemannsweg hat am Samstagmorgen rund 50 Gemeindemitglieder zusammenkommen lassen.

Alle wollen helfen. "Hier stehen noch Vasen, Tabletts und Gläser, was sollen wir damit machen?", fragt Küsterin Kerstin Kloppenburg in eine Runde von Helfern. "Ich bin mir nicht sicher, aber die Gläser müssen auf jeden Fall mit, die brauchen wir", ruft Pfarrerin Gisela Kuhn ihr zu. Sofort macht sich Kloppenburg mit zwei Gemeindemitgliedern an die Arbeit und packt die Gläser ein.

100 gestapelte Stühle

Ein paar Meter weiter ist ein lautes Poltern zu vernehmen. Im großen Saal sind gerade einige Frauen damit beschäftigt, Gesangsbücher und Bibeln in Kisten zu stapeln. Dabei sind ihnen ein paar Bücher aus den Händen gefallen. "Wir können leider nicht alles mitnehmen", sagt eine der Frauen, "das neue Gemeindezentrum ist nämlich viel kleiner als dieses hier." Im Vorraum werden derweil die restlichen der insgesamt 100 Stühle gestapelt, die in die neuen Räumlichkeiten sollen.

Stücke mit Erinnerungswert

Der Transporter ist noch nicht zurück, also können die Stühle noch nicht eingeladen werden. Das bedeutet für die freiwilligen Helfer aber nicht, nur herum zu stehen und Däumchen zu drehen. An jeder Ecke wartet eine Aufgabe. Auch im Keller herrscht reges Treiben. Gina Drevers trägt eine Kiste mit Spielzeug, Bastelutensilien und Verkleidungen zu ihrem Auto. "Mein Auto ist leider sehr klein, aber ein paar Kisten bekomme ich schon da rein", sagt sie.

Ihr Freund Lars Kreutner begutachtet im selben Moment den Kicker und fragt: "Weiß jemand von euch, ob wir den mitnehmen oder hier lassen?" Die Antwort ist Schweigen. "Na gut, dann frage ich noch mal nach. Aber hoffentlich müssen wir ihn nicht hier lassen", sagt er. Schon viele lustige Abende habe er an diesem Kicker verbracht. Erinnerungen hängen daran. Küsterin Kloppenburg sieht nach dem Rechten, wird einen Moment lang sentimental: "Ich werde dieses Zentrum vermissen", sagt die 32-Jährige. "Schon als kleines Kind habe ich meine Zeit hier verbracht."

Einen kurzen Moment lang ist es ruhig, dann setzt Kloppenburg ihr schönstes Lächeln auf und sagt: "Aber ich bin voller Zuversicht und positiv eingestellt". Manches müsse man hinter sich lassen, und die neuen Räume werden eben mit neuen Erinnerungen gefüllt. Oben sind Motorengeräusche zu hören. Der Transporter ist gerade angekommen und wartet darauf, mit den restlichen Stühlen beladen zu werden. Die Helfer machen sich auf den Weg.

(mego)
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