Kreis Mettmann Einbrechern die Arbeit erschweren

Kreis Mettmann · Interview Susanne Wiescher, Leiterin des Kriminalkommissariats Kriminalprävention und Opferschutz, berät Bürger, die ihr Haus oder ihre Wohnung vor Dieben schützen wollen. Am 28. Oktober können sich Familien bei der Kreispolizei in Mettmann ausführlich informieren.

 Susanne Wiescher zeigt, wie Türen und Fenster sicherer gemacht werden können. Oft reichen einfache Veränderungen.

Susanne Wiescher zeigt, wie Türen und Fenster sicherer gemacht werden können. Oft reichen einfache Veränderungen.

Foto: janicki

Wenn die Tage kürzer werden, steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche. Oft sind es Einbrecherbanden, die im Schutz der Dunkelheit Türen und Fenster aufhebeln, um sich Zutritt zu Geld und Wertgegenständen berufstätiger oder verreister Leute zu verschaffen. Susanne Wiescher, Leiterin des Kriminalkommissariats Kriminalprävention und Opferschutz bei der Kreispolizei Mettmann, spricht über Möglichkeiten, Einbrüche zu verhindern — und unter welchen Ängsten Einbruchsopfer leiden.

Wie kann man sich vor Einbrechern schützen?

Susanne Wiescher Da gibt es viele Möglichkeiten. Wohlhabende können ihr Haus natürlich in eine Festung mit Alarmanlage verwandeln. Wir haben aber auch Tipps für Leute, die nicht so viel Geld haben.

Was raten Sie denen?

Wiescher Man kann zum Beispiel einen Panzerquerriegel von innen an der Wohnungstür anbringen. Bei Neubauten kann man gleich eine massive Tür einbauen, die sich nicht ohne weiteres eintreten lässt. Für die Fenster, aber auch für Balkon- oder Terrassentüren gibt es sogenannte Pilzkopfsicherungen. Die kann man sich am Familien-Infotag im Polizeigebäude vorführen lassen. Soweit ich weiß, kann man die auch nachträglich einbauen. Jedenfalls verhindern sie, dass Einbrecher die Türen oder Fenster mit geeignetem Werkzeug aufhebeln und in die Wohnung eindringen.

Schützen Schlösser an den Tür- oder Fenstergriffen vor Einbrechern?

Wiescher Ja, falls sie Scheiben einschlagen, um einsteigen zu können. Die meisten Einbrecher hebeln allerdings Türen oder Fenster auf. Besser ist es, Bewegungsmelder zu installieren. Überwachungsanlagen dürften sich für Otto-Normalverbraucher nicht lohnen.

Welche Tipps kann jeder beherzigen?

Wiescher Man sollte zum Beispiel nicht die Leiter im Carport für den Einbrecher bereithalten oder die Mülltonne so am Haus aufstellen, dass jeder mit ihrer Hilfe in die Wohnung einsteigen kann.

Was kann man noch tun?

Wiescher Man kann Zeitschaltuhren nutzen, die stundenweise das Licht einschalten oder den Fernseher. So simuliert man Anwesenheit, wenn man vereist ist.

Welche Rolle spielt die Nachbarschaft bei der Verhinderung von Einbrüchen?

Wiescher Eine ganz große. Wenn sie ihre Nachbarn bitten, regelmäßig den Briefkasten zu leeren und die Zeitung hereinzuholen, ist es nicht so offensichtlich, dass sie gerade verreist sind. Aufmerksame Nachbarn haben schon so manchem Einbrecher die Arbeit unmöglich gemacht. Wenn Ihnen fremde Autos oder verdächtige Gestalten in ihrer Straße auffallen, sollten sie umgehend die Polizei informieren. Das ist kostenlos und wird dem Anrufer auch nicht in Rechnung gestellt, wenn es kein Straftäter war.

Läuft man da nicht Gefahr, harmlose Menschen etwa auf Verwandtenbesuch zu denunzieren?

Wiescher Nein. Wenn die Überprüften wirklich harmlos sind, werden sie verstehen, dass wir vorbeugend gegen Einbrecher vorgehen müssen.

Wie sieht eigentlich die Aufklärungsquote bei Einbrüchen aus?

Wiescher Schlecht. Kreisweit werden rund zwölf Prozent aller Einbrüche aufgeklärt.

Von wie vielen Einbrüchen reden wir eigentlich im Kreis Mettmann?

Wiescher Kreisweit waren es 2011 1650 Einbrüche. Im Jahr davor wurden 1500 gezählt. Es gibt also eine Steigerung bei den Wohnungseinbrüchen.

Sie haben regelmäßig mit Opfern zu tun. Worunter leiden die nach Ihren Beobachtungen am meisten?

Wiescher Gerade ältere Leute tragen oft schwere Traumata davon. Die können dann nicht mehr in ihrer vertrauten Wohnung oder ihrem Haus leben, weil sie große Angst davor haben, dass sie erneut von Einbrechern heimgesucht werden. Sie fühlen sich einfach nicht mehr sicher. Andere Opfer leiden unter der Vorstellung, dass fremde Menschen in ihren Schränken und Truhen gekramt haben. Sie fühlen sich in ihrer Intimsphäre verletzt. Wir haben auch schon traumatisierte Kinder gehabt. Die wollen dann allabendlich mit ihren Eltern einen Kontrollgang durchs Haus machen, unters Bett und in den Schrank gucken. Auch sie haben große Angst davor, dass nachts plötzlich ein Fremder in ihrem Zimmer steht.

Konnten Sie denn schon Einbrüche verhindern?

Wiescher Ja. Ein Mann hat sich bei uns gemeldet und erzählt, dass er beim Neubau seines Hauses alle Sicherheitsratschläge der Polizei beherzigt habe. Kürzlich hat wohl ein Einbrecher versucht, bei ihm einzusteigen. An mehreren Fenstern fanden sich Einbruchversuche, aber der Dieb ist an den Diebstahlsicherungen gescheitert. Das hat den Hausbesitzer so gefreut, dass er es uns mitgeteilt hat. Das freut uns natürlich.

Ilka Platzek führte das Interview.

(RP/rl)
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