Erkrath: Ein Trainer für Eltern

Erkrath: Ein Trainer für Eltern

Wenn Kinder täglich Haschisch rauchen, Alkohol trinken oder nur vor dem PC sitzen, ist die Suchthilfe der Diakonie in Erkrath Anlaufstation für Eltern. Familientherapeut Hans Räbiger-Stratmann bietet ein Training für Eltern an.

Die Worte "richtig" oder "falsch" im Hinblick auf die Erziehung von Kindern gibt es für Hans Räbiger-Stratmann nicht. "Ich rede lieber von wirksam oder unwirksam", sagt der Familientherapeut, der seit 2002 für die Suchthilfe der Diakonie an der Hochdahler Hauptstraße tätig ist. Zu ihm kommen immer häufiger Jugendliche, die Haschisch konsumieren, viel Alkohol trinken oder geradezu zwanghaft ihre ganze Freizeit am PC etwa mit virtuellen Rollenspielen wie "World of Warcraft" verbringen.

Zuhause wird zum Schlachtfeld

Nicht selten reagieren Jugendliche, wenn sie von ihren Eltern auf ihre Sucht angesprochen werden, äußerst aggressiv. Heftige Wutausbrüche, wüste Beschimpfungen und manchmal sogar körperliche Gewalt gegen die eigenen Eltern sind durchaus denkbare Szenarien. Kinder können Gewalt ganz direkt ausüben, indem sie drohen und schlagen, selbstbestimmt leben und kommen und gehen, wann sie wollen. Dazu nehmen sie Geld und Nahrung wie es ihnen gerade passt.

"Eltern machen die Erfahrung, dass das Kind, je mehr sie schreien, drohen und strafen, sein Verhalten nur noch massiver fortsetzt und seine Reaktionen verschärft", sagt Räbiger-Stratmann. Eltern geraten in die Zwickmühle. Geben sie Forderungen ihres Kindes nach, werden aller Voraussicht nach weitere Forderungen vonseiten des Kindes folgen. "Das eigene Zuhause, das eigentlich für Sicherheit und Geborgenheit steht, wird zu einem Schlachtfeld des Eigensinns", sagt Räbiger-Stratmann. Jede kleine Auseinandersetzung oder allein eine Diskussion berge die Gefahr einer extremen Eskalation zwischen Eltern und ihren Kindern. Um den Jugendlichen und ihren Eltern zu helfen, hat Räbiger-Stratmann ein Elterncoaching entwickelt. Ziel ist es, Eltern so anzuleiten und zu unterstützen, dass sie in der Beziehung zu ihren Töchtern und Söhnen schnell wieder wirksam handlungsfähig werden, erklärt der Therapeut.

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Jeden Montag werden in der Suchthilfe entsprechende Termine für Eltern angeboten. Interessierten Eltern rät Räbiger-Stratmann, zunächst einmal ohne ihr Kind zu kommen, bzw. dem Kind auch nichts von dem Termin zu sagen oder gar damit zu drohen. Um Eltern zu helfen, hat Räbiger-Stratmann eine ganze Reihe von Strategien im Gepäck.

Gewaltfreiheit in der Familie

Um Ruhe in die Familie zu bringen, sollte zunächst zwei Wochen zu Hause nicht über die Sucht gesprochen werden. Ganz wichtig ist auch die elterliche Präsenz. "Wir sind deine Eltern, Wir sind da, Wir bleiben da", sind Sätze, die manche Eltern vielleicht das erste Mal in ihrem Leben zu ihren Kindern sagen. Mit Playmobil-Figuren etwa wird versucht, die Stellung innerhalb der einzelnen Familienmitglieder zu klären. Wichtig ist Räbiger-Stratmann auch die Gewaltfreiheit innerhalb der Familie. Mit Sit-Ins wird versucht, mit den Jugendlichen wieder ins Gespräch zu kommen. Räbiger-Stratmann macht zunächst Termine mit den Eltern einzeln und versucht dann später, eine Gruppe von acht bis zehn Elternteilen hinzubekommen. Und meist kommt eine "wirksame" Erziehung dabei heraus.

(RP)
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