Wülfrath: Ein Stein für Johanna Beyth

Wülfrath : Ein Stein für Johanna Beyth

Der Kölner Künstler Günter Demnig verlegte gestern 14 Stolpersteine in Wülfrath und Niederberg.Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus von 1933 - 1945. Über die Verlegung weiterer Steine wird nachgedacht.

„Ein Stein, ein Name, ein Mensch.“ Hinter dieser schlichten Aussage von Günter Demnig verbirgt sich das eindringliche, stetig wachsende Projekt, „Stolpersteine“, mit dem der Kölner Künstler 1993 begann. Über 14 000 Messingtafeln hat er in Deutschland, Österreich und Ungarn inzwischen in Bürgersteige eingelassen. Vor Uhren Koch am Heumarkt verlegte er gestern auf Initiative des Kirchenkreises Niederberg in Wülfrath den ersten Stolperstein.

Er erinnert an die jüdische Bürgerin Johanna Beyth, die 1941 von den Nationalsozialisten verschleppt und 1942 in Minsk ermordet wurde. „Ihre Eltern Ida und Georg gehörte einst das Haus. Sie betrieben hier ein Bekleidungsgeschäft. Bis zum Boykott jüdischer Geschäfte im Jahr 1935 war Johanna Beyth Musiklehrerin. Später verdiente sie sich ihr Geld als Näherin“, berichtete Historiker Frank Homberg über die Familie Beyth, die wegen ihrer sozialen Einstellung und ihrer Hilfsbereitschaft in Wülfrath sehr beliebt war.

In Belgien gefallen

Der Name von Kurt Beyth – er fiel 1918 in Belgien – war sogar auf der Ehrentafel am Ehrenmahl im Stadtpark verewigt. Im Rahmen des Gedenkbuchprojektes der Gedenkstätte Alte Synagoge Wuppertal hatte Frank Homberg bereits über Johanna Beyth recherchiert und geschrieben.

Nach ihr wurde 2003 eine kleine Straße zwischen Wilhelm- und Heumarktstraße benannt, in der Nähe des einstigen Hauses der Familie Beyth. Die Verlegung des Stolpersteins erfolgte gestern unter großer Anteilnahme von Vertretern der Verwaltung, der Politik, des Kirchenkreises, des Seniorenrats und vor allem von Schülern der weiterführenden Schulen.

Einige der Gymnasiasten hatten im letzten Jahr an dem internationalen Workcamp in Lettland teilgenommen, wo unter Leitung von Pfarrer Klaus-Peter Rex ein jüdischer Friedhof wieder hergerichtet wird.

Nils Wessel, 12. Jahrgangsstufe, half bei der Verlegung des Stolpersteins. Er nimmt in diesem Jahr an dem Workcamp teil. „Der Stolperstein soll Erinnerung wach halten, Versöhnung schaffen. Er bedrängt nicht. Er gehört ein Stück weit ins Leben dazu“, sagte Superintendent Rolf Breitbarth. Gedenktafeln an Häusern seien von 80 Prozent der Hausbesitzer abgelehnt worden, berichtete Günter Demnig. Über die Steine sollten Leute laufen, schon allein deshalb, damit das Material nicht oxydiert. Bei Initiativgruppen, die die Verlegung in Auftrag geben, sei das Interesse so groß, dass Termine bis 2010 vergeben seien. Aus dem Ausland kämen Menschen, so aus den USA und England, die Stolpersteine als eine kleine Erinnerung an Angehörige sähen, die im KZ ermordet wurden.

Steine für Raukamp und Eberts

In Wülfrath wird darüber nachgedacht, auch für Eugen Raukamp und Willi Eberts Stolpersteine anbringen zu lassen. Sie hatten bei einer Geburtstagsfeier einen russischen Sender gehört, waren verhaftet worden und kamen im KZ Neuengamme um.

(RP)
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