1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann

Erkrath: Ein Macher auf dem Rückzug

Erkrath : Ein Macher auf dem Rückzug

Günter Feyerabend war immer für andere da: für die Familie, den TuS, den Posaunen- und den Kirchenchor. Jetzt braucht der 79-Jährige selbst Hilfe. Er ist dement – für die Familie ein Kreuz, das alle gelassen tragen.

Günter Feyerabend war immer für andere da: für die Familie, den TuS, den Posaunen- und den Kirchenchor. Jetzt braucht der 79-Jährige selbst Hilfe. Er ist dement — für die Familie ein Kreuz, das alle gelassen tragen.

Günter Feyerabend ist Persona grata im Erkrather Altenheim Haus Bavier. Jeder kennt ihn, denn der noch 79-Jährige war zeitlebens für andere da — für seine Familie, für den TuS, den CVJM-Posaunenchor, den Kirchenchor und viele andere mehr. Aber jetzt ist Günter Feyerabend dement. Und das ist ein Schicksal, das vor allem seine Familie tragen muss. Für Ulrich Feyerabend, den Sohn, und Christine Feyerabend, die Tochter, brauchte es eine Zeit lang, um wirklich zu akzeptieren, dass dieser aktive und immer ausgeglichene Mensch nun nicht mehr für alle und alles sorgt. Er braucht jetzt selbst Hilfe. Vor allem Ulrich sorgt sich und begleitet den Vater, wann immer die Arbeitsstelle und die Familie es zulassen.

Im Sockelgeschoss von Haus Bavier weiß er den Vater gut aufgehoben. "Es war mein Wunsch-Altenheim", sagt Ulrich Feyerabend. Denn schließlich liegt es gegenüber der evangelischen Kirche, wo Günter zusammen mit seinem CVJM-Posaunenchor seit Jahrzehnten festliche Gottesdienste musikalisch begleitet hat. Und auch im Kirchenchor hat er zusammen mit seiner Frau Erika lange mitgesungen.

  • Im Jahr 1969 wurde der neue
    Lichtermarkt und Fotoausstellung in Veert : Veert erinnert an den Bau seiner Kirche
  • Im Brüggener Gemeindegebiet müssen vier Bäume
    Für die Sicherheit in Brüggen : Bauhof-Team wird drei Buchen und eine Eiche fällen
  • Die angeklagten Polizistinnen im Gerichtssaal in
    Prozess in Hagen : „Lauf, Patti, lauf!“ – Polizistinnen ließen Kollegen im Kugelhagel zurück

"Ich habe früher als Kind bei Ihrer Frau im TuS geturnt", sagte eine Altenpflegerin nach seinem Einzug auf der Station. Und Günter Feyerabend strahlt. Er freut sich sehr oft, vor allem, wenn er Besuch von Freunden bekommt, die er kennt. Auf die Frage: "Wie geht es Dir?" antwortet Günter immer mit "Gut". Und er lacht dabei, so dass man es ihm glauben möchte. Man könnte meinen, er nimmt seine körperlichen Gebrechen nicht wahr.

Ein kritischer Esser

Auf jeden Fall wandert er oft durchs Haus. Dabei geht er gerne mal in Richtung Küche, um nach "dem Rechten" zu sehen. Zu Hause war er für gutes Essen zuständig. Bis vor etwa zwei Jahren kochte er noch sonntags für seine Familie entweder Chinesisch oder Schnitzel. "Nirgendwo gab es bessere Schnitzel als bei meinem Vater," sagt Ulrich Feyerabend. Als es nicht mehr ging, holten Christine oder Ulrich ihn dann sonntags zum Essen. Nach dem Tod seiner Frau Erika im Mai 2007 folgte ein Schlaganfall dem anderen. Insgesamt waren es sieben.

Nach jedem Krankenhausaufenthalt machte Günter zunächst weiter, als sei nichts geschehen. Das besorgte seine Familie in einem Ausmaß, dass es kaum zu ertragen war. Schließlich musste der Strom vom Herd abgesperrt werden. Seit Juli 2010 wurde er nach seinem sechsten Schlaganfall durch den ambulanten Pflegedienst betreut. Kochen konnte Günter nicht mehr. Essen auf Rädern aber war nicht so sein Ding. Oft war die Mahlzeit mittags schon kalt. Aber was ist mit dem Essen in seinem neuen Zuhause im Haus Bavier? "Wem's hier nicht schmeckt, der lügt", sagt Günter einfach und verständlich. Es waren die frischen Brötchen am Morgen, die ihm hier versprochen wurden, und er ließ sich überreden, zu bleiben. Denn so viel Luxus war er seit seiner Pflegebedürftigkeit nicht mehr gewöhnt. Und er blieb. Er kennt sich jetzt aus im Altenheim, mehr oder weniger. Jeden Mittwoch kommt Adele Zschammer, eine Freundin von Ehefrau Erika aus TuS-Zeiten, um mit Günter spazieren zu gehen. So oft es geht, kommt Carlo Custode, um mit ihm über alte TuS-Zeiten zu reden. Günter Feyerabend spürt die Nähe eines Besuchs. Er ist dankbar und zeigt es.

(gund)