Erkrath: Ein Leben von der und für die Kunst

Erkrath: Ein Leben von der und für die Kunst

Künstler Ralf Buchholz organisiert Literaturveranstaltungen und die Miniausstellungen QuickArt in Erkrath.

Seit einigen Jahren bebt die Erde in Erkrath. Es sind nur kleine, aber beständige Schwingungen, die die Erkrather zunächst zu ignorierten versuchten. Jetzt gehen sie zunehmend an die Nerven, und manchen machen sie ganz nervös. Das Epizentrum des Erdgrummelns scheint der Künstler Ralf Buchholz zu sein. Seit seinem Umzug nach Erkrath bewegt sich hier immer mehr. Das Gute daran: Es ist spürbar, dass Leben in der Stadt existiert. Die Veränderung hat Buchholz bewusst vorangetrieben: "Da waren vier Jahre Vorarbeit nötig, so langsam trägt das ganze Früchte."

Als Mitbegründer der Künstlervereinigung Neanderartgroup und als Organisator vieler Literaturveranstaltungen und der Miniausstellungen QuickArt in der Stadthalle ist er zu einer lokalen Größe geworden, an der niemand in der hiesigen Kunstszene vorbeikommt. Woher nimmt der gebürtige Ratinger diese Tatkraft? Die Kreativität wurde ihm in die Wiege gelegt. Als Kind war er nur zufrieden, wenn er Buntstifte und Papier zur Hand hatte. Später übernahm er das Comiczeichnen für die Schülerzeitungen.

Den naheliegenden Plan eines Studiums an der Kunstakademie verhinderte Buchholz senior. Sein Sohn sollte zunächst einen ordentlichen Brotberuf als Keramiktechniker lernen, dem Ralf, ganz seinem ehrgeizigen Charakter entsprechend, mit voller Energie und zunächst ausschließlich nachging: "Ich habe mich dann vor zehn Jahren in eine stille Ecke gesetzt und überlegt: Warum hast du deine Kreativität aus den Augen verloren? Vielleicht versuche ich das jetzt aufzuholen." Zu seinen Vorbildern gehören der Pop-Art-Designer James Rizzi, den er bei Ausstellungen kennengelernt hat, und der Egoexpressionist Jörg Immendorff, mit dem er sogar eine Weile um die Häuser gezogen ist. "Auch die waren keine Leisetreter", bekennt sich Buchholz zu seiner rebellischen Seite.

Zum Ausdruck kam dieses Temperament, als vor einem Jahr in der Künstlergruppe im Streit die Fetzen flogen. Mittlerweile bestehe die Neanderartgroup aus 22 Künstlern, die, so Buchholz, gut zusammenpassen. Dazu pflegt er den Ethos eines Kunstarbeiters: "Man muss es nicht nur ankündigen, man muss es auch tun. Ich male manchmal bis tief in die Nacht." Dass dieses Engagement seinen Preis kostet, merkt Buchholz: "Ich spüre das ganz schön an den Knochen. Es ist auch mit Enttäuschung verbunden. Im Moment bin ich enttäuscht wegen des Künstlerhauses." Seit langem wirbt er für einen festen Ausstellungsort in der Stadt; bisher wegen der leeren öffentlichen Kassen und fehlendem Sponsoring vergeblich.

Die Kraft, die die Kunst kostet, holt sich Buchholz von ihr zurück: "Kunst bedeutet für mich Muße, Passion, Entspannung und Kreativität ohne Druck." Diese harmonische Kraft hat er in seinem Zyklus Feenland verbildlicht. Naturrealistische Ölbilder belebt er durch Collagen von Elfenwesen und eingefügten modernen Gebrauchsgegenständen wie Glühlampen oder, wenn es eben mal wieder sein muss, mit Pistolen. Ganz nebenbei schreibt er lokale Krimigeschichten. In seinem neusten Werk "Mörderische Bruderschaft" wird er aufdecken, wer hinter all dem Übel in Erkrath steckt. Wie James Bond wird auch Buchholz in diesem Monat auf ein halbes Jahrhundert Lebenserfahrung zurückblicken können. Er verspricht: "2013 wird unter Garantie nicht langweilig."

(RP/ac)