Wülfrath: Ein Kirchlein hat Geburtstag

Wülfrath : Ein Kirchlein hat Geburtstag

Vor 75 Jahren wurde die Kirche St. Barbara in Schlupkothen eingeweiht. Die katholische Gemeinde St. Maximin Wülfrath feiert das Jubiläum am Samstag mit einer Feldmesse.

Für die katholische Gemeinde St. Maximin Wülfrath ist der kommende Samstag ein besonderer Feiertag. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Kirche St. Barbara in Schlupkothen wird ab 16 Uhr auf dem Außengelände des Kommunikationszentrums Schlupkothen eine Feldmesse gefeiert. Die kleine Kirche war im Nationalsozialismus gegen den Willen der Parteileitung von Bürgern in Eigenleistung errichtet worden.

Als 1903 die Rheinischen Kalksteinwerke GmbH Wülfrath von Thyssen und Krupp gegründet wurden, war der Steinbruch Schlupkothen der erste vollmechanisierte in Europa, heißt es im Kirchenführer St. Barbara. Im Zuge des prosperierenden Abbaus zogen Arbeitskräfte zu, vor allem aus südeuropäischen Ländern. Die Kalksteinwerke ließen Siedlungshäuser in Koxhof und Schlupkothen errichten.

Zur Messe nach Düssel gewandert

Durch den Zustrom vergrößerte sich die bislang geringe Zahl der Katholiken erheblich. Um die Messe in der Pfarrkirche St. Maximin Düssel zu besuchen, mussten sie einen 20-minütigen Fußweg auf sich nehmen. Als Behelfslösung wurden dann sonntägliche Messen in der katholischen Grundschule Schlupkothen abgehalten. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche wurde zunehmend lauter.

Die Initiative zur Errichtung eines Gotteshauses ist engstens verbunden mit dem Düsseler Pfarrer Peter Lefkens (1889-1969). Er trieb die Planungen in den 20er und 30er Jahren voran. Bei seinen "Bettelpredigten" auf Reisen durchs Bergische Land brachte er 40 000 Reichsmark zusammen. Die Kalkwerke stellten (bereits 1928) das Baugrundstück zur Verfügung, lieferten Baumaterialien und spendeten wiederholt Geld. Im Juli 1936 erfolgte der erste Spatenstich, im September wurde der Grundstein gelegt. Die Wülfrather Baufirma Rademacher wurde von 35 Männern aus der Gemeinde unterstützt. Sie leisteten 5500 freiwillige Arbeitsstunden.

Die feierliche Einweihung fand am 10. Oktober 1937 statt. Zunächst hatte St. Barbara nur den Status einer Kapelle. Obwohl der Festakt mit dem geforderten nationalsozialistischen Fahnenschmuck gefeiert wurde, machte die Ortsgruppenleitung der NSDAP ihre Ablehnung deutlich. Im Kirchenführer wird Ortsgruppenleiter Richard Wiel (1904-1968) mit den Worten zitiert: "Wenn ihr den Pitter nicht hättet, ständ das Ding da oben nicht." Aus Sicht der Nazis war die Existenz der neuen Kirche ausschließlich der Popularität von Pfarrer Peter Lefkens geschuldet.

(RP/rl)