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Ein Ehrenamtler wirbt fürs Ehrenamt

Freiwilligenzentrale in Mettmann braucht Verstärkung : Ein Ehrenamtler wirbt fürs Ehrenamt

Die Freiwilligenzentrale wirbt jetzt mit dem Slogan „Dein Lohn: Ein Lächeln“ für freiwilliges Engagement. Mit dabei ist Willy Wolfertz – ehrenamtlich.

In dem kleinen Büro an der Mittelstraße haben schon viele Menschen zusammengefunden. Das dokumentieren Fotos, die an den schlichten Wänden hängen: Lachende Menschen, Hände schüttelnde Menschen, immer wieder viele Menschen zusammen. Dass sich diese Personen getroffen haben, liegt auch an Willy Wolfertz. Der 65-Jährige engagiert sich seit zwei Jahren in der Freiwilligenzentrale der Caritas. „Unsere Aufgaben gliedern sich in zwei Bereiche“, erklärt er. „Zum einen bringen wir interessierte Personen mit Einrichtungen zusammen, die ehrenamtliche Hilfe suchen. Zum anderen werben wir für das Ehrenamt an sich.“

Wolfertz fand – wie viele Ehrenamtliche – nach dem Ausscheiden aus dem Beruf zu seiner neuen Aufgabe. Als er den passiven Teil der Altersteilzeit antrat, brachte ihn das ins Team der Freiwilligenzentrale. Über die Tätigkeit dort fand er dann noch eine zweite Aufgabe: Seit Anfang des Jahres unterstützt Wolfertz einen jungen Mann aus Syrien beim Einstieg ins Berufsleben. Er hilft dem 20-Jährigen bei der Stellensuche, begleitet ihn zu Amtsterminen und übt mit ihm Deutsch für die nötigen Sprachprüfungen. „Ich kann nicht bei allem helfen, da ich mich zum Beispiel in Rechtsfragen nicht auskenne. Aber ich bin Ansprechpartner und versuche, auf menschlicher Ebene für ihn da zu sein.“

Das Bedürfnis, sich sozial einzubringen, nimmt Wolfertz nicht nur bei älteren Menschen wahr. „Jetzt im Sommer ist es eher ruhig, aber vor Weihnachten kommen viele zu uns, die helfen wollen“, erzählt er. „Letzten Winter gab es zum Beispiel das ‚Vorlesen zur Weihnachtszeit‘, wo viele mitgemacht haben.“ Gerade jüngere Menschen interessierten sich oft für solche Projekt orientierten, kurzzeitigen Ehrenämter. „Ehrenamt ist auf jeden Fall keine Altersfrage“, betont Wolfertz, „und wir wollen versuchen, junge Leute auch gezielter anzusprechen – indem wir zum Beispiel in Schulen gehen.“ Er merke zudem, dass die Ehrenamtssuche mittlerweile hauptsächlich online ablaufe.

Bei der Vermittlung will die Freiwilligenzentrale offen für jede Art des Engagements sein. „Im Moment liegt der Schwerpunkt der Angebote im sozialen und kirchlichen Bereich, aber wir möchten auch gern mehr Ehrenamtliche für Umwelt und Sport vermitteln.“ Menschen, die sich einbringen möchten, können entweder in die offene Sprechstunde kommen, die zweimal wöchentlich stattfindet, oder einen Termin vereinbaren. Wolfertz ist eine von fünf ehrenamtlichen Kräften, die gemeinsam mit der hauptamtlichen Mitarbeiterin Britta Franke Vermittlungen übernehmen. So haben die Ehrenamtlichen Ansprechpartner, an die sie sich auch später noch wenden können. „Umgekehrt behalten wir die Kontaktdaten ebenfalls“, sagt Wolfertz. Einige Freiwillige treffe man dann wieder, zum Beispiel bei Ausflügen. Erst kürzlich waren die Ehrenamtlichen bei einer Führung im Düsseldorfer Landtag.

Der Austausch untereinander sei wichtig, findet Wolfertz. Er nennt aber noch ein anderes Stichwort: Anerkennung. „Ohne das Ehrenamt funktionieren viele Dinge nun mal nicht. Deshalb ist Wertschätzung durch die Einrichtung wichtig.“ Wirklich motivierend sei für ihn dann die menschliche Seite. „Ein Lächeln und das Wissen, etwas bewirken zu können, das reicht mir schon.“