Mettmann Ein Cabrio vergammelt im Parkhaus

Mettmann · Ein MX 5 steht seit mindestens zwei Jahren im Parkhaus Neanderstraße. Verlassen, demoliert, verdreckt. Die Polizei ist nicht zuständig. Nun wird es verkauft, damit Parkgebühren und Abschleppkosten bezahlt werden können.

 Seit mindestens zwei Jahren verstaubt das Cabrio MX 5 im Parkhaus an der Neanderstraße.

Seit mindestens zwei Jahren verstaubt das Cabrio MX 5 im Parkhaus an der Neanderstraße.

Foto: Dietrich Janicki

Der Anblick ist fürchterlich: Es steht in der hintersten Ecke des Mettmanner Parkhauses an der Neanderstraße auf Platz 137. Etwas schief eingeparkt, verstaubt und verdreckt. Das Verdeck ist aufgeschlitzt, irgendjemand hat den Inhalt des Wagens geplündert. Broschüren, Nasenspray, ungeöffnete Briefe von der Stadt Hilden, Tempo-Taschentücher liegen noch auf den Sitzen. Das schwarze Cabrio MX 5 steht seit mindestens zwei Jahren auf dem Deck 1 der Garage. Keiner kümmerte sich darum, denn sonst wäre das schicke Auto nicht in einem solch erbarmungswürdigen Zustand.

Der Eigentümer des Parkhauses ist das deutschlandweit tätige Unternehmen Apcoa. Vor einem Jahr noch waren Apcoa die Hände gebunden. "Die rechtlichen Prozesse sind sehr langwierig, bevor man auf ein Fahrzeug im Parkhaus zugreifen darf", sagte Apcoa-Sprecher Tilman Kube damals. Nun ist aber Bewegung in die unendliche Geschichte des "entsorgten" Cabrios gekommen: Der Wagen wird demnächst entfernt, teilt Kube mit. "Da das Fahrzeug selbst nicht besonders alt ist, wurde es bisher nicht verschrottet."

Der Besitzer schien jahrelang verschwunden — seit Anfang 2012 war das Auto zumindest abgemeldet. Niemand weiß aber, was es mit dem geheimnisvollen, "entsorgten" Auto an der Neanderstraße auf sich hatte. Warum der Besitzer sein Fahrzeug dort so lange stehenlässt, bleibt ein Rätsel. "Wir sind nicht zuständig. Der Wagen steht auf privatem Gelände", hieß es im Sommer vergangenen Jahres bei der Polizei.

Wird der sportliche Flitzer nun bald aus dem Parkhaus geschafft, bleiben die Kosten für Apcoa: Parkhausgebühren, Abschleppkosten, Rechtsanwaltskosten für die Durchsetzung der Interessen.

Mit dem Halter des MX5 werde über das Ordnungsamt Kontakt aufgenommen, sagt Kube. "Das Fahrzeug wird dann verwertet, also nach Möglichkeit verkauft, und unsere Forderungen wie Parkgebühren plus Abschleppen werden aufgerechnet", sagt Kube.

Hat sich der Fall des MX5 geklärt, bleiben die vielen anderen im Stadtgebiet "wild entsorgten" Fahrzeuge , Entdeckt die Polizei oder das Ordnungsamt ein solches abgemeldetes Auto, wird es sofort abgeschleppt, wenn die Türen zu öffnen sind. Ist das Fahrzeug verschlossen, kommt ein roter Aufkleber auf die Windschutzscheibe mit der Aufforderung, es innerhalb von einem Monat zu entfernen, ist die Linie im Ordnungsamt Mettmann klar. Steht es dann immer noch da, wird es abgeschleppt. Alle Kosten müssen die Besitzer des Wagens bezahlen.

Doch es geht auch schneller: Wenn Gefahr im Verzug ist, schreitet das Ordnungsamt umgehend ein. Dies gilt zum einen, wenn Schmierstoffe austreten und die Umwelt verunreinigen können, aber auch, wenn Unfälle durch die abgemeldeten Wagen drohen.

In den Nachbarstädten Wülfrath und Erkrath kennt man das Problem der "stillen" Autos ebenfalls. Die Dieselstraße im Industriegebiet Kocherscheidt wird gerne zum Abstellen von Altautos genutzt. Polizei und Ordnungsamt haben einen Blick auf solche "gefährdeten" Ecken.

Die Gründe für das illegale Entsorgen sind unterschiedlich. Manch einer kauft ein Auto, merkt später, dass es eigentlich Schrott ist — und behandelt es entsprechend. Andere haben nicht das Geld für die Anmeldung, bei anderen ist der letzte Halter verstorben und die Erben wissen gar nichts von einem Fahrzeug.

(RP)
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