Rp-Serie Neu In Der Stadtbibliothek: Ein bitterböses Porträt zweier Frauen

Rp-Serie Neu In Der Stadtbibliothek: Ein bitterböses Porträt zweier Frauen

Erkrath (magu) "Von diesem Roman kann man sich bespuckt fühlen wie von den Essensresten eines Kleinkindes. Ein Lesegenuss zwischen Schmunzeln und Lachen. Große Literatur!" Die Feuilletonisten überschlagen sich förmlich mit Lobpreisungen. Und auch Bibliotheksleiterin Michaele Gincel-Reinhardt ist voll des Lobes für Gertraud Klemms "Aberland".

Erkrath (magu) "Von diesem Roman kann man sich bespuckt fühlen wie von den Essensresten eines Kleinkindes. Ein Lesegenuss zwischen Schmunzeln und Lachen. Große Literatur!" Die Feuilletonisten überschlagen sich förmlich mit Lobpreisungen. Und auch Bibliotheksleiterin Michaele Gincel-Reinhardt ist voll des Lobes für Gertraud Klemms "Aberland".

Die Geschichte liest sich wie folgt: Bürgerliche Mütter, bürgerliche Töchter: ein bitterböses Porträt zweier Frauen-Generationen. Elisabeth, 58, versucht würdevoll zu altern. Ihr gutbürgerliches Leben ist am ehesten charakterisiert durch das, was sie alles nicht getan hat: sie hat nicht studiert und nicht gearbeitet, sie hat ihre Kinder nicht vernachlässigt und ihren Mann nicht mit dem Künstler Jakob betrogen, sie hat der Schwiegermutter nicht die Stirn geboten und stellt noch immer nicht den Anspruch, ins Grundbuch der Jugendstilvilla eingetragen zu werden.

Mit Zynismus und verhaltener Selbstreflexion beobachtet sie das Altern der Frauen um sie herum. Und sie beobachtet ihre Tochter Franziska, die zu Wutausbrüchen neigt, mit den Anforderungen der Gesellschaft an ihre Mutterrolle hadert und die theoretische Gleichberechtigung von Mann und Frau im Alltag nicht einlösen kann. Auch sie hat ihre Visionen nicht verfolgt, weder beruflich noch privat, und begnügt sich mit einem fast fertigen Studium und einem fast geliebten Mann. Es scheint, als habe sich dieser zahnlose Feminismus von einer Generation an die nächste vererbt.

G. KLEMM, ABERLAND, DROSCHL, 19 EURO

(magu)