Wülfrath: Ein berühmter Stern aus Wülfrath

Wülfrath: Ein berühmter Stern aus Wülfrath

Die Firma Witte-Niederberg produziert im Gewerbegebiet Kocherscheidt seit 60 Jahren den Mercedes-Stern. In dem international bekannten Logo steckt eine Menge Handarbeit. Jedes Exemplar wird einzeln unter die Lupe genommen.

Er hat nur 7,6 Zentimeter Durchmesser. Trotzdem poliert ihn der stolze Autobesitzer bei der samstäglichen Autowäsche besonders gründlich. Und auch Diebe haben es seit jeher oft auf ihn abgesehen. Der Mercedes-Stern ist seit seiner Einführung in den späten 20er Jahren einfach Kult.

Die Firma, die ihn seit den 50er Jahren produziert, sitzt heute in Wülfrath an der Dieselstraße. Witte -Niederberg heißt sie heute, Fingscheidt hieß sie früher. Der berühmte Stern macht im Witte-Konzern mit sieben Standorten in Deutschland, Tschechien und Frankreich, zwar nur rund drei Prozent des Gesamtumsatzes aus, trotzdem ist er für den Wülfrather Geschäftsführer Burkhard Erkens etwas ganz Besonderes.

"Im Gegensatz zu vielen anderen unserer Produkte wie beispielsweise Verriegelungssystemen oder Türinnengriffen, fällt der Mercedes-Stern sofort ins Auge", sagt Erkens. Rund eine halbe Million Sterne produziert das Unternehmen jährlich und verbraucht dafür etwa 50 Tonnen Zink.

In der Druckgießerei der Firma sind zehn Mitarbeiter mit der Herstellung des Prestige-Objekts beschäftigt. Das Ausgangsmaterial — eine Mischung aus Zink, Aluminium, Magnesium und Kupfer — wird in großen Barren angeliefert und dann eingeschmolzen. Bei einer Temperatur von 440 Grad wird schließlich der Stern gegossen. Der ist aber zunächst nicht zu erkennen, an den Rändern stehen jede Menge Reste über. "Die werden abgeschnitten und erneut eingeschmolzen. So können wir alles wieder verwenden", erklärt Abteilungsleiter Frank Kaborn. Der fertig ausgeschnittene Stern wird beim Galvanisieren mit einer Chromschicht überzogen.

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Im Montagebereich der Firma setzen die Mitarbeiterinnen den glänzenden Stern in seinen Fuß ein, in dem sich auch ein Kugelgelenk befindet. "Der Stern muss klappbar sein, zum Fußgängerschutz", erklärt Erkens.

Fällt bei einem Unfall ein Fußgänger auf die Motorhaube, kann sich der Stern nicht in seinen Körper bohren. In der Montage ist Fingerspitzengefühl gefragt. Zlata Licina arbeitet seit 41 Jahren hier. Vorsichtig fährt sie bei jedem einzelnen Stern mit den Fingerkuppen über das Metall. "Bei kleinsten Unebenheiten sortiere ich die Sterne aus", erzählt sie. Diese werden nachher nachbearbeitet.

Die Sterne, die den Fühltest bestanden haben, werden noch mal poliert und wandern dann in schwarze Plastikkisten. "Wir liefern sie an die Daimler-Werke in Sindelfingen und Bremen", verrät der Geschäftsführer. In der Montagehalle gibt es auch eine kleine Ausstellung, die zeigt, wie sich das Symbol über die Jahre verändert hat. Mal war der Durchmesser etwas größer, mal wenige Millimeter kleiner. Auch der Fuß war früher größer und mit einem Lorbeerkranz bedruckt. In Erkens' kleiner Sammlung befinden sich auch richtige "Schätzchen": Ein Riesenstern etwa, der die Motorhaube des "Mercedes Pullmann" — ein Luxusmodell, in dem der Papst oder wichtige Staatsoberhäupter fahren — ziert.

(RP/rl/ila)
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