Ein Arbeitstag bei der Mettmanner Polizei

Einblicke in den Polizeialltag : Mit dem Streifenwagen unterwegs

RP-Redakteur begleitet Polizeihauptkommissar Michael Wenzel zum ersten Mal in einem Polizeiauto.

Polizeihauptkommissar Michael Wenzel (56) steigt in den Mercedes Vito. Der relativ neue Van ist von der Kreispolizeibehörde angeschafft worden. Er komplettiert das Feld der BMW-Streifenwagen, die das Land bestellt und bezahlt hat.

Über den Sprechfunk sind wir mit der Leitstelle der Kreispolizeibehörde Mettmann und mit den Wachen in Ratingen und Mettmann verbunden. Wir hören also gleichzeitig den Funk von den verschiedenen Beamten. Nicht so ganz einfach, alles zu verstehen. „Das ist Training“, sagt Wenzel und lacht. Er ist Dienstgruppenleiter der Wachen in Ratingen und Mettmann. 16 Kollegen gehören zu seinem Verantwortungsbereich. Wenzel ist ein „alter Hase“. Seit 1979 ist er Polizist und kennt die Behörde aus dem Eff-Eff.

14.12 Uhr: Wir bekommen den ersten Einsatz. In einer Wohnung ist ein Bewohner gewalttätig gegen sich selbst und gegen die Mitarbeiterin der Behinderteneinrichtung geworden. Der geistig behinderte Mann hat sich selbst verletzt und die Betreuerin geschlagen. Ein Streifenwagen ist bereits am Einsatzort eingetroffen. Wir fahren zur Unterstützung hin. Der Mann hat sich mittlerweile beruhigt, kann aber jederzeit wieder aggressiv werden. Er soll deshalb in die Landesklinik in Langenfeld eingeliefert werden.

Doch bevor es soweit kommt, müssen die Ordnungsbehörde der Stadt Mettmann und die Besatzung eines Krankenwagens verständigt werden. Auf der Fahrt nach Langenfeld sitzt ein Polizeibeamter zur Sicherung im Krankenwagen, ein Kollege fährt im Streifenwagen hinterher. Aber: Erst um 15.59 beginnt der Transport. Der Grund: Es dauert, bis alle erforderlichen Gutachten und Schriftstücke eingeholt sind. Die beiden Polizeibeamten, die als erste am Einsatzort waren, werden zwar von Kollegen des Polizeilichen Sonderdienstes (PSD) abgelöst. Doch zwei Beamte sind zwei Stunden plus Fahrt und Rückfahrt nach Langenfeld gebunden und können keinen anderen Einsatz übernehmen.

Wir rücken ab und warten auf den nächsten Einsatz. Auf der Fahrt durch Mettmann kommen wir ins Gespräch. Der relativ neue Digitalfunk hat die Kommunikation vereinfacht, er gilt als abhörsicher. Gleichwohl wird auch noch per Diensthandy kommuniziert, sagt Wenzel. Er schaut hin und wieder in die Autos, die uns entgegenkommen. Polizisten haben den besonderen „Gurtblick“: Sie erkennen besser als der „Normalbürger“, ob ein Autofahrer angeschnallt ist oder nicht. Übrigens, sagt Wenzel, die Zahl der Gurtmuffel hat abgenommen. Zugenommen hat hingegen die Zahl der Autofahrer, die mit dem Handy in der Hand telefonieren.

Während der Fahrt hören wir über Funk von einem Anruf einer Frau auf der Wache, die sich beschwert, dass ihr Mann sich Sachen aus der Wohnung holt. Obwohl beide mittlerweile getrennt leben. Solange es kein Wohnungs- oder Annäherungsverbot gibt, kann die Polizei nichts machen. Aber: „Wir müssen vermehrt zu Ehestreitigkeiten fahren“, sagt Wenzel. Hinzu kommen zahlreiche Fälle von häuslicher Gewalt.

Wir fahren wieder zur Wache am Adalbert-Bach-Platz. Polizeikommissar Bastian Kohl (26) sitzt vor mehreren Bildschirmen. Er steuert von hier aus die Einsätze, beantwortet Datenabfragen der Kollegen. Der Umgangston der Beamten ist freundlich und offen. „Wir duzen uns“, sagt Wenzel. Viele junge Polizisten gehören zu seinem Team. Man merkt, dass der Dienstgruppenleiter anerkannt und beliebt ist.

Wieder im Streifenwagen: Michael Wenzel fährt durch die Mettmanner Innenstadt. „Wir haben ein paar Brennpunkte“, sagt er. „In Mettmann ist es der Jubiläumsplatz, in Ratingen sind es der Düsseldorfer und der Berliner Platz.“ Besonders in der Nacht von Freitag auf Samstag ist die Polizei vermehrt im Einsatz. Jugendgruppen sorgen für Randale, oft ist Alkohol im Spiel. Doch heute ist alles ruhig.

Wenzel muss permanent eine schusssichere Weste tragen. Im Kofferraum des Vito liegen noch die schweren Ausführungen der Schutzwesten, die je nach Fall angezogen werden müssen. Der Hauptkommissar führt stets eine Walther P 99 Pistole mit 15 Schuss als Dienstwaffe mit sich. In einem gut gesicherten Metallkoffer liegen zwei Maschinenpistolen, ebenfalls scharf geladen. „Bei Amoklagen – etwa in Schulen oder auf öffentlichen Plätzen – müssen wir sofort eingreifen“, sagt der Polizeihauptkommissar. Deshalb die besondere Ausrüstung. Es darf keine Zeit vergehen, bis das Sondereinsatzkommando (SEK) an Ort und Stelle ist. Per Funk hören wir mit: Es hat einen Streit zwischen drei Brüdern in Mettmann gegeben. Doch die Situation beruhigt sich wieder.

Nach drei Stunden ist meine „Einsatzfahrt“ beendet. „Leider oder glücklicherweise war heute nicht viel los“, sagt Wenzel. Der begeisterte Motorradfahrer und Hobbygärtner gibt mir zum Abschied die Hand. Ich dürfe gerne noch mal vorbeikommen, sagt der sympathische Polizeihauptkommissar. Vielleicht an Altweiber. Dann wäre sicherlich mehr los.

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