Mettmann: Ein Abend voller barocker Lebensfreude

Mettmann: Ein Abend voller barocker Lebensfreude

Ein Abend zum Träumen, voller Musik, barocke Pracht und Lebensfreude - in diese Achterbahn der Gefühle konnten sich die Zuhörer in der Kulturvilla am Sonntagabend begeben und nur noch genießen. Die Gärten von Versailles, die der legendäre Gartenarchitekt André Le Notres nach mathematischer Anordnung erschaffen hatte, waren einfach in Musik umzusetzen, und ein grandioses Konzert war kreiert. Die französischen Komponisten von François Couperin über J. B. De Boismortier bis zu André Campra und Jean-Marie Leclair waren ausgesucht, der barocken Lebens- und Tanzfreude Ausdruck zu verleihen. Und das gelang den vier Musikern Annie Laflamme (Flöte), Juan Manuel Quintana (Gamba), Stefan Horz (Cembalo) und der Gastgeberin Constanze Backes (Gesang) auf das beste. Höfische Eleganz gepaart mit hoheitsvoller Attitude - die barocken Tänze ließen das pralle Leben am Hofe Ludwig 14. auferstehen. Die Ordnung in der barocken Architektur ist Pracht. In der Musik ist sie Harmonie, und so erklang die Kantate von A. Campra im facettenreichen Sopran von Constanze Backes als vollendetes Ganzes in großer Harmonie mit den drei Instrumentalisten. Einfach wunderschön.

Dass Constanze Backes eine hervorragende Sopranistin ist, weiß man, aber ihre schauspielerischen Fähigkeiten konnte das Publikum wohl zum ersten Mal erleben. Ihre Lesung aus der Biografie über Marie Antoinette von Stefan Zweig war ein Knüller. Die Kantate "Le printemps" - der Frühling - knüpfte an die Schäferidylle und überbordende Selbstverliebtheit an: Herz, Schmerz, Liebeskummer, seufzen und leiden erinnerte irgendwie an die Leiden des jungen Werther, alles wurde durchlebt und musikalisch umwerfend umgesetzt.

Ein prachtvolles Miteinander der vier Musiker, die auf ihren nach historischem Vorbild nachgebauten Instrumenten den Zuhörern eine geniale Zeitreise in den Barock ermöglichten.

(eise)
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