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Mettmann: "Doggy Day" im Neanderthal-Museum

Mettmann : "Doggy Day" im Neanderthal-Museum

Die Neandertaler hatten noch keine Hunde, sind aber heute umso netter zum besten Freund des Menschen: Einmal im Monat dürfen Hunde ihre Herrchen und Frauchen ins Neanderthal-Museum nahe Düsseldorf begleiten.

Namo ist ein geduldiger Hund. Der Border Collie steht neben Herrchen Wolfgang Heuschen, der ihn aber in diesem Moment keines Blickes würdigt. Der ist vielmehr an den uralten Speeren mit Steinspitzen hinter dem Vitrinenglas interessiert.
Konzentriert liest er in einer Broschüre die Erklärungen dazu. Und weil der Vierbeiner ganz brav ist, gibt's zwischendurch auch ein Leckerchen. Der Hund ist begeistert. "Doggy Day" im Neanderthal-Museum - Besucher bringen ihre Vierbeiner mit.

Aber Hunde im Museum, geht das überhaupt? "Ja", meint Bärbel Auffermann von der Museumsleitung, "die Hunde sind an der Leine ja unter Kontrolle." Die Idee hatte das Museum zum ersten Mal im vergangenen Jahr bei einer Sonderausstellung zum Thema Wölfe. "Wir wollten damit auch den Hunden ihre Ahnen erlebbar machen", sagt Auffermann. Die Resonanz war beeindruckend: Mehr als 150 Hunde und ihre Halter kamen. Jetzt dürfen Hunde an der Leine und "ihre guterzogenen Halter", wie das Museum schreibt, das Haus an jedem ersten Freitagnachmittag im Monat gemeinsam besuchen.

Ganz konfliktfrei ist das nicht immer. Der Border Collie zum Beispiel verliert kurzzeitig die Contenance, ein bisschen zumindest, als ein kleiner Mischling vorbeigeht. Sam ist mit Familie Nördtling da und bellt aufgeregt. Frauchen ruft ihn mit einem lauten "Aus" zur Ordnung. Die Aufregung legt sich. Kurzes Beschnuppern. Frieden. Und weiter geht es.

Für seinen Border Collie war der Ausflug in die Welt der Frühkultur weniger spannend als für ihn selbst, gibt Heuschen später zu. Aber: "Ich finde es super, dass ich ihn mitnehmen konnte und würde mir wünschen, dass das andernorts auch möglich wäre." Namo tollt derweil vor dem Museum auf der Wiese herum.

Sam und seine Besitzer sind zum ersten Mal hier. Extra aus Lüdenscheid angereist. "Wir haben im Internet darüber gelesen und waren direkt begeistert", sagt Stefanie Nördtling: "Schließlich wollen wir unseren Hund nicht zu Hause lassen müssen, sondern ihn am Familienleben teilhaben lassen."

Der kleine Vierbeiner zieht heftig an seiner Leine und beschnüffelt eine lebensgroße Neandertaler-Figur. "Das scheint gut zu riechen", sagt Frauchen und lässt die Leine etwas lockerer. Der kleine Havaneser-Mischling bohrt seine Nase tief in den Rindenmulch am Boden der nachgestellten Jagdszene. Er hinterlässt aber keine Duftspur. Gute Manieren eben.

Was das Neanderthal-Museum macht, ist selten, aber nicht neu. Das Phaeno in Wolfsburg, das Ausstellungen rund um Wissenschaftsthemen präsentiert, öffnete seine Tore schon mal ein ganzes Wochenende lang für Hunde. "Das haben wir damals sehr sorgfältig vorbereitet", sagt Phaeno-Sprecherin Martina Flamme-Jasper. Die Impfpässe der Vierbeiner wurden gecheckt, und draußen gab es Sand und Auslauf.

Ein Modell für klassische Museen ist der Doggy Day aber nicht, schon weil das Risiko für die Kunstwerke zu groß wäre. "Das Tier weiß ja nicht zu unterscheiden zwischen Stuhlbein und bedeutender Skulptur", sagt Gerd Korinthenberg von der Kunstsammlung NRW. In deren Häuser dürfen Hunde nur, wenn sie im Dienst sind, zum Beispiel Blindenhunde.

Im Neanderthal-Museum ist noch nichts schiefgegangen. "Bislang hat zum Glück noch kein Hund sein Bein an einem Exponat gehoben", betont die stellvertretende Museumsleiterin Auffermann.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Doggy Day": Hunde dürfen mit ins Neanderthal Museum

(dpa)