Post Skriptum Die Woche In Unserer Stadt: Die "Netztrennung" ist doch längst schon Realität

Post Skriptum Die Woche In Unserer Stadt: Die "Netztrennung" ist doch längst schon Realität

Rund um den Jubiläumsplatz fahren schon seit Wochen weniger Autos. Das klappt auf den ersten Blick erstaunlich gut. Probleme gibt es in den Nebenstraßen.

In den kommenden Tagen geht es noch mal richtig rund. Geschenke für das Weihnachtsfest werden besorgt, in den Firmen und Büros werden die Bilanzen zum Jahresende fertiggestellt, die letzten Aufträge abgearbeitet. Alle Heizungen, die in den vergangenen Wochen kaputt gegangen sind, dürften mittlerweile repariert sein. Und wer noch keine Winterreifen auf dem Auto montiert hat, dürfte spätestens am vergangenen Wochenende gemerkt haben, dass man ansonsten eben Bus und Bahn fahren muss.

Obwohl, bei richtig Schnee fährt auch kein Bus mehr, das haben wir in unseren Städten erlebt. Wo wir gerade beim Fahren sind, in Mettmann ist in diesem Jahr viel über die "Netztrennung" geredet worden. Der Durchgangsverkehr soll aus der Innenstadt heraus gehalten werden. Unsere Redaktion sitzt am Jubiläumsplatz in Mettmann und wir können jeden Tag mitverfolgen, wie es vor Ort aussieht. Natürlich gibt es jeden Tag Bürger, die meinen, sie müssten die alten und vertrauten Wege fahren und aus der Poststraße falsch abbiegen. Ab und zu steht die Kreispolizei dann dort und verteilt Knöllchen. Aber eben nur ab und zu. Aber die "Alter-Weg-Fahrer" werden jeden Tag weniger, das ist zumindest mein Eindruck. Ganz erstaunlich: Rund um den Jubi sind die Ampeln für Fußgänger abgebaut worden. Ich habe noch nicht einen Autofahrer erlebt, der nicht sofort freiwillig gehalten hat, wenn man die Straße überqueren wollte. Es funktioniert irgendwie und das ohne dass das nun "Shared Space" heißt. Das heißt so viel wie geteilter Platz, stammt aus den Niederlanden und meint, dass Autos langsam und mit Rücksicht auf Fußgänger einen gemeinsamen Verkehrsaum nutzen. Wenn man es mal ganz genau nimmt, die berühmte "Netztrennung" ist längst Realität, auch ohne, dass da irgendwer den Startschuss dafür gegeben hat.

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Jetzt bleibt nur noch eine spannende Frage: Wie viele Geschäfte haben denn geschlossen, seit man nicht mehr mit dem Auto mitten durch die Stadt fahren kann? Rewe und Penny haben nach wie vor auf, weniger Kunden habe ich dort nicht gesehen. Und auch in der Fußgängerzone hat nicht ein Laden dicht gemacht. So gut, dass das scheinbar in der Innenstadt klappt, die Netztrennung fordert an anderen Stellen aber auch ihren Tribut. Die Anwohner der Nebenstraßen wie Lutterbecker -, Eich- und Düsseldorfer Straße sind genervt, weil der Verkehr nun über die kleinen und für die Massen an Autofahrern völlig ungeeigneten Nebenstraßen abfließt. Ebenso geht es den Bürgern am Goldberg, viel zu oft fahren dort Autos entlang, die dort nicht mehr fahren dürften. Sollen die nun alle woanders hinziehen? Ihre Eigentumswohnungen verkaufen? Es wird noch eine Zeit dauern, bis sich in der Kreisstadt alle daran gewöhnt haben. Rückgängig machen kann man das nicht mehr, dafür ist es nun zu spät.

(RP)