Wülfrath: Die Königin der Nacht geht bald online

Wülfrath : Die Königin der Nacht geht bald online

Die Wülfrather Uhu-Dame Pattex kann bald im Internet per Webcam im Steinbruch Rohdenhaus beobachtet werden.

Vor ein paar Wochen hatte sie noch durch ihre mutigen Streifzüge durch die Wülfrather Innenstadt von sich reden gemacht. Krappsteich, Rathaus, Dachgiebel in der Ellenbeek: Die Wülfrather Uhu-Dame "Pattex" war ein Jahr lang mit einem Sender ausgestattet und ist derweilen ordentlich rumgekommen im Jagdrevier. Nun geht die "Königin der Nacht" bald auch noch online, und das sogar rund um die Uhr. "Wir werden im Steinbruch Rohdenhaus eine Webcam installieren", verrät Detlef Regulski.

Der Landschaftspfleger leitet seit beinahe zehn Jahren das Uhu-Projekt, das sich seither in Kooperation mit der heimischen Kalkindustrie, den Kommunen und dem ehrenamtlichen Naturschutz zu einer Vorzeige-Initiative entwickelt hat. Auch der gefiederte Nachtschwärmer spielt bei der ganzen Sache mit: Er hat es sich inmitten der hiesigen Kalkgruben längst gemütlich gemacht und lässt sich auch durch den Steinbruchbetrieb nicht stören.

Dabei hatte damals alles eher unspektakulär begonnen, wie Detlef Regulski sich auch heute noch gern erinnert: "Es war ein eiskalter Sonntagabend im Januar 2005. Meine Freundin wollte einen Tatort gucken. Mir war das zu langweilig, deshalb bin ich noch mal losgezogen und habe in einem der Wülfrather Steinbrüche einen Uhu rufen gehört." Seine Beobachtungen meldete er damals sofort der Unteren Landschaftsbehörde und auch dort wurde man hellhörig. Denn bis dahin galt der Eulenvogel in der hiesigen Region als nahezu ausgestorben. Seither findet das Uhu-Projekt als Erfolgsgeschichte auch internationale Beachtung und die damals noch zehn Uhu-Paare in den Steinbrüchen des Kreises Mettmann haben mittlerweile für reichlich Nachwuchs gesorgt.

Nun gibt es also auch eine Homepage und bald eine Liveschaltung zum Rohdenhauser Nistplatz inmitten der Felswände. Sobald es das Wetter zulässt, soll die Kamera mit Nachtsichtfunktion installiert werden. Dann heißt es wach bleiben und Geduld haben. Irgendwann werden die Eltern jedenfalls ordentlich zu tun haben, um ihren Nachwuchs durchzufüttern. Mäuse, Ratten, Tauben: Die Speisekarte dürfte abwechslungsreich werden. "Der Uhu ist nicht wählerisch und frisst alles, was die Wirbelsäule waagerecht trägt", kündigt Regulski schon mal an.

Gespannt wartet man auch bei den Kalkwerken Oetelshofen auf neue Erkenntnisse. Denn dort soll demnächst ein Uhu-Pärchen quasi "die Etage wechseln" und sich an anderer Stelle ansiedeln, da der Steinbruchbetrieb den beiden Eulenvögeln so langsam unangenehm nahe rückt. Ähnliches ist in Rohdenhaus bereits gelungen und lässt auch Jörg Iseke hoffen. Der Geschäftsführer der Kalkwerke Oetelshofen ist mit den gefiederten Bewohnern seines Steinbruchs nach all den Jahren bestens vertraut und kennt ihre Vorlieben. "Ein Überblick über das Geschehen, gute Lichtverhältnisse und ein geeigneter Futterübergabeplatz sind wichtig", weiß er.

Neugierig ist man auch bei der Unteren Landschaftsbehörde. Denn dort fließen die Erkenntnisse aus dem Uhu-Projekt in konkrete Planungen ein. "Wir hatten beispielsweise von der Flughöhe der Uhus keine genaue Vorstellung. Mittlerweile wissen wir mehr und können die Daten unter anderem beim Bau von Windkraftanlagen einfließen lassen", so Klaus Adolphy. Als Leiter der beim Kreis Mettmann angesiedelten Behörde freut er sich auch, dass der Uhu Industrie, Naturschützer und Kommunen an einen Tisch gebracht hat. Denn nicht immer verläuft die Kooperation der Beteiligten so reibungslos wie in diesem Fall.

(magu)