Die Inspiration kommt von den Osterinseln

AtelierK in Mettmann stellt aus : Die Inspiration kommt von den Osterinseln

Im Mettmanner AtelierK sind Skulpturen von Jo Glörfeld zu sehen. Gespräch zweier Künstlerfreunde.

Ein Freund hat sie zusammengebracht. Hier in Mettmann, beim Essen. Und wie so oft unter Künstlern, gab es gleich einen Grund zum Plaudern. Jo Glörfeld, der seit 20 Jahren zwischen Mettmann und dem spanischen Àguilas hin und her pendelt, war da gerade für einen seiner gelegentlichen Besuche in der Heimat. Und Maria Kanisius-Reuter, die gerne Künstler in ihr Atelier einlädt, hatte eine Idee: Eine gemeinsame Ausstellung, noch in diesem Sommer. Der "Auswanderer" ließ sich nicht lange bitten und nun ist er schon seit Wochen hier in seiner Mettmanner Zweitwohnung, um im Keller an seinen Gipsskulpturen zu arbeiten. Dass es hier feuchter ist als in Spanien und der Gips langsamer trocknet? Nun ja, das war eine Herausforderung. Aber nun sind sie fertig, seine Moai, die an die Steinskulpturen auf der Osterinsel erinnern. Und Jo Glörfeld hatte endlich Zeit, um mit Kanisius-Reuter über das gemeinsame Faible für die Kunst zu plaudern.

Irgendwann gab es das erste Kunstwerk. Was war das für ein Moment?

Glörfeld Meins stand damals in der Sparkasse in Wülfrath. Die hatten mich gefragt, ob ich eine Skulptur aus Glasfaser und Kunststoff machen kann. Irgendwann war ich dann mal dort und noch am gleichen Tag hatte ich abends im Bett eine Idee. Von da an hat mich tagelang nichts anderes mehr beschäftigt.

Kanisius-Reuter Das war in den 1970er Jahren, ich habe einen Aquarellkurs mit dem Maler Christian von Grumkow bei der Wuppertaler VHS besucht. Dort waren nur Rentner, die das Schloss Lüntenbeck malen wollten – und Grumkow ebnete mir über das Verlaufen von Wasser und Farbe den Weg zum ersten Werk, einem abstrakten Aquarell.

Und wie hat sich der Stil seither verändert?

Kanisius-Reuter Erstmal war da lange Zeit nichts außer der Schauspielerei bei den „Knallfröschen“ . Und dann gab es mit Alexander Naritz wieder einen „Lehrmeister“, der mich zu nihilistischen Malerei herangeführt hat. Danach habe ich alle Techniken gelernt – ohne dieses Wissen und Können kann man seinen Stil nicht verändern.

Glörfeld Ja, so eine Pause gab es bei mir auch. Nach der ersten Skulptur in Wülfrath gab es lange Zeit nichts. Ich bin nach Spanien ausgewandert, habe dort ein Haus gebaut – und dann war mir langweilig. Ich habe mit Betonskulpturen angefangen, die erste war zwei Meter hoch und 180 Kilo schwer. Später ging es mit Gips und den Moai weiter – sie sind alle aus dem nichts entstanden....

...wie immer, abends im Bett?

Glörfeld (lacht) Ja, so ungefähr! Ich muss nicht auf die Osterinsel fahren, die Inspiration gelingt auch im Kopf. Ich brauche meine Werkstatt, um überhaupt arbeiten zu können. Man ist bei solchen Objekten immer begrenzt – so wie mit dem 480 Kilo schweren Pferd, dass ich damals zuhause auf dem Grundstück stehen hatte. Mir haben schon Leute angeboten, umsonst bei ihnen zu wohnen und dort zu arbeiten – das ist aber nicht mein Ding.
Kanisius-Reuter Das ist bei mir anders – ich brauche den Ortswechsel. Ich gehöre nicht zu den Künstlern, die immer beim gleichen Thema bleiben. Stattdessen gehe ich irgendwo vorbei und weiß sofort: Das kannst du malen!

Und dann geht man morgens ins Atelier und malt - unabhängig von Launen und Stimmungen - einfach drauflos?

Kanisius-Reuter Ich stehe früh auf und um acht Uhr stehe ich mit dem Pinsel in der Hand an der Staffelei. Beim konzentrierten Arbeiten hat man keine Zeit, um über Launen nachzudenken. Allerdings bin ich froh, dass ich zuhause kein Atelier habe – da würde ich wohl nachts aufstehen, um das Bild fertigzumalen.
Glörfeld Ich gehe jeden Tag nach dem Frühstück ins Atelier, bis zum Mittagessen. Dort gibt es dann Zwangspausen, weil ich warten muss, bis der Gips hart geworden ist. Launen? Die habe ich nicht, meine Stimmung ist jeden Tag gleich.

Wie ist das mit dem Loslassen? Gelingt das so einfach, wenn das Werk fertig ist?

Glörfeld Ja, absolut! Ich arbeite erst die grobe Struktur heraus, dann kommt der Feinschliff. Und irgendwann kommt der Moment, wo ich weiß: Jetzt ist das hier fertig. Dann gehe ich da nicht nochmal dran...

Kanisius-Reuter Das ist bei mir auch so. Hier noch ein Strich, dort noch ein Punkt: Als Maler hat man ja reichlich Platz und schnell das Gefühl, das noch was fehlt. Manchmal stelle ich ein Bild weg, um es später nochmals aus der „Krankenecke“ zu holen. Meistens allerdings weiß ich genau: Das ist jetzt fertig, jeder weitere Pinselstrich wäre einer zu viel.

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