Mettmann Rettung für Alte Posthalterei in Sicht

Mettmann · Offenbar gibt es einen Interessenten, der den Gebäudekomplex in der Mettmanner Oberstadt kaufen will.

 Ein liebenswertes Stück der historischen Oberstadt: Die Alte Posthalterei.

Ein liebenswertes Stück der historischen Oberstadt: Die Alte Posthalterei.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Viele Mettmanner fragen sich, was mit dem historischen Gebäudekomplex passiert, der „Alte Posthalterei“ genannt wird und an der Oberstraße liegt. Seit Monaten steht er zum Verkauf. Am Schaufenster des ehemaligen Jeansgeschäftes von Jochen Sickelmann hängen Zettel mit einer Handynummer. Interessenten können über diese Nummer Kontakt zur Eigentümerin aufnehmen.

Die „Alte Posthalterei“, die nicht unter Denkmalschutz steht, aber in Teilen erhaltenswert ist, muss dringend saniert werden. Es habe in der Vergangenheit mehrere Interessenten gegeben, die das Ensemble erwerben wollten, berichtet ein Oberstädter. Allerdings gab’s wohl unterschiedliche Auffassungen über den Preis der Immobilie. Nach Informationen unserer Redaktion soll es nun einen ernsthaften Interessenten geben.

 Die „Alte Posthalterei“ ist eine Art Wahrzeichen der Historischen Oberstadt. Bei allen geführten Rundgängen durch die Altstadt machen die Gruppen Station in ihrem Hof. Hier ist ein Stück der alten Stadtmauer zu sehen. Der Schelmenturm hatte hier seinen Platz.

Die Rettungsaktionen der „Alten Posthalterei“ hat eine lange Geschichte: Die SPD-Fraktion wollte bis zum Stadtjubiläum 2004 das historische Gebäude restaurieren lassen und den Hinterhof als Open-Air-Lokal zugänglich machen. Deshalb hatten SPD und Jochen Sickelmann eine Vereinbarung getroffen. Die Stadt sollte einen Gutachter mit der Wertermittlung der Gebäude beauftragen, Architekten ein Nutzungskonzept entwickeln (Weinstube, Architekturbüro). Doch daraus wurde nichts.

Der Eigentümer hatte andere Preisvorstellungen als sie im Wertgutachten dokumentiert worden waren. Allein die Investitionssumme für eine Sanierung wurde im Jahr 2000 auf 800.000 Mark geschätzt. Hans-Günther Kampen, der „Retter“ der Goldberger Mühle, wollte 2002 einen Förderverein gründen. Voraussetzung war damals, dass der Verein nur aktiv werden konnte, wenn der Eigentümer die Bereitschaft erklärte, den Gebäudekomplex für die Dauer der Sanierung und einer späteren Nutzung an den Verein zu übertragen. Doch daraus wurde nichts. Der Eigentümer wollte die Posthalterei mit Eigenmitteln sanieren.

Das Landesamt für Denkmalpflege untersuchte 2009 das Gebäude und stellte keinen Denkmalschutz fest. Der derzeitige Zustand der hinteren Gebäudeteile sei sehr schlecht. Bei einer Restaurierung hätten etwa zwei Drittel der historischen Bausubstanz erneuert werden müssen. Dies, so die Denkmalschützer, würde einer Rekonstruktion der Gebäude gleichkommen, denn das Ensemble könnte nicht ohne Verlust seiner Authenzität und fast der gesamten Originalsubstanz erhalten werden.

Die Genossenschaft „Vier Viertel“ wollte die Alte Posthalterei ebenfalls erwerben, dort eine Herberge und Raststätte etablieren und hatte Landesmittel aus dem Heimatministerium beantragt. Doch die gewünschten Förderungen von 2,3 Millionen Euro wurde abgelehnt, sagte Peter Feyen von „Vier-Viertel“. Feyen bedauerte gestern diese Entscheidung sehr. „Vor allem, weil es unserer Meinung nach keine stichhaltige Begründung für die Ablehnung gab.“