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Mettmann/Erkrath/Wülfrath: Der Landwirt, der auf den Pflug verzichtet

Mettmann/Erkrath/Wülfrath : Der Landwirt, der auf den Pflug verzichtet

Die Landwirtschaftskammer NRW (Kreisstelle Mettmann) und die Kreisbauernschaft Mettmann hatten wieder Landrat Thomas Hendele zu einer Besichtigungstour eingeladen. Auf dem Programm standen diesmal innovative, zukunftorientierte Betriebe in Mettmann und Wülfrath. Natürlich wurde der lange geplante Termin von den jüngsten Ereignissen eingeholt. Doch gleich vorweg: Die Schäden durch das Unwetter am Montag halten sich in Grenzen, spielten also nur am Rande eine Rolle, so die Landwirte.

Erste Station war der Pferdehof "Pensions- und Aktivstall Weidtmann" in Niederschwarzbach. Keine Landwirtschaft im engeren Sinne, aber gerade dadurch besonders interessant. Rudolf Weidtmann führt den Hof schon in der vierten Generation und ist jetzt Vorreiter einer modernen, artgerechten Pferdehaltung im Kreis Mettmann. "Wir haben uns eine Haltungsform überlegt, die unsere Zukunft sichert". Die Pferde werden in einer Kombination aus Paddockbereich und Weide gehalten. Sie können sich den ganzen Tag frei zwischen Liegehalle und Futterstationen bewegen. Es herrscht Selbstbedienung: jedes Pferd hat einen Chip mit individuellen Daten, der Futtermengen und -Intervalle regelt. Durch die ständige Bewegung und die sozialen Kontakte sind die Pferde zufriedener und körperlich leistungsfähiger, berichten die reitenden Kunden.

Die zweite Station, die Kneer & Kuhles Landwirtschafts GbR, bot das Kontrastprogramm: Keine Tiere, dafür eine Kombination aus Dienstleistung und Ackerbau. Inhaber Bernd Kneer hatte sich im Januar 2013 bei der Landwirtschaftskammer (LWK) beworben und war als einer von fünf Demonstrationsbetrieben für integrierten Pflanzenschutz in NRW ausgewählt worden. Sie sollen auf dem Gebiet der Chemie-Vermeidung vorangehen und so Ansprechpartner für andere andere Betriebe sein. Ihrerseits werden sie deshalb besonders intensiv vom Pflanzenschutzdienst NRW und dem Julius Kühn Institut betreut. Es ist ein Feldversuch, der in fünf Jahren Ergebnisse produzieren soll. Die gesellige Runde fand sich schließlich früher als erwartet auf Gut Hugenhaus bei Britta und Christian Gladbach in Wülfrath ein. Dieser Ackerbaubetrieb zeichnet sich dadurch aus, dass er seit fast 40 Jahren erosionsvermeidend arbeitet. Es begann alles mit Versuchen der Kammer, auf das Pflügen zu verzichten. Schwiegervater Hans Peter Schlieper war damals Vorreiter. Bei Kaffee und Kuchen resümierte Hendele zufrieden, er habe heute viel gelernt. "Am Schreibtisch lernt man ja nix."

(RP)