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AN(GE)DACHT: Der Glaube setzt Maßstäbe

AN(GE)DACHT : Der Glaube setzt Maßstäbe

Meine kleine Tochter steht an der Kinderzimmertür und ist unglaublich stolz. Ein Zentimetermaß am Türrahmen verrät ihr: Sie ist endlich über einen Meter groß. "Papa, jetzt bin ich auch groß!"

Der Zollstock gibt ihr ein gutes Gefühl, weil er zeigt, wie sie Zentimeter für Zentimeter wächst. Gemessen zu werden, ist aber sicher nicht immer eine schöne Erfahrung. Ich erinnere mich daran, dass an mich angelegte Maßstäbe unangenehm waren. In der Schule soll man gut genug sein, um den Anforderungen zu entsprechen. In Ausbildung und Beruf, in der Familie und in der Freizeit, beim Sport, beim Aussehen und beim Outfit — überall werden sie angelegt: Meter- und Maßstäbe. Wenn ich mich nach allen richte, kommt nicht viel Sinnvolles heraus. Es ist sicher nicht gut, wenn ich versuche, jedem Maßstab zu entsprechen. Ich brauche eine eigene Richtlinie. Aber welche?

Jugendliche beschäftigen sich besonders intensiv mit dieser Frage. Sie prüfen: Welcher Maßstab gilt für mich? Welcher ist überholt? Welcher neue Maßstab muss gesetzt werden? Aber woher weiß ich, was richtig ist? Für mich setzt mein Glaube Maßstäbe. Nicht, dass jeder meine Glaubenslatte angelegt bekommt, der er zu entsprechen hätte. Ich brauche Maßstäbe für mein Leben und meine Entscheidungen. Beim Lesen einer Wanderkarte ist der Maßstab entscheidend. Nur wenn mir der klar ist, kann ich die Ziele in ein Verhältnis zueinander setzen. Dann weiß ich, wie weit ich gehen kann. Genauso wichtig ist eine Orientierungshilfe fürs Leben, mit der wir Wege und Entscheidungen ins richtige Verhältnis zu einander setzen können. Als Jesus von Nazareth einmal nach solch einem Maßstab, dem wichtigsten Gebot, gefragt wird, antwortete er: "Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand, und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!" Mit diesen Worten wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende.

Karsten Thies