Erkrath: Dem Reiz des Boule erlegen

Erkrath : Dem Reiz des Boule erlegen

Immer mehr Deutsche machen's wie die Franzosen: Sie boulen. Der Erkrather Cercle des Pétanques lockt 81 Wettkampf-Teams und viele Zuschauer zum Neandertal-Turnier, bei dem die Metallkugeln in die Nähe des "Schweinchens" rollen sollen.

Klack! Die Metallkugel touchiert eine der Gegner, landet dumpf auf der Schotterbahn, rollt noch ein kleines Stück und bleibt dann liegen. Mit gerunzelter Stirn hat Uwe Droste den Weg seines Wurfs verfolgt, nun hellt sich seine Miene auf. Unweit seiner Kugel leuchtet der kleine orangefarbene Ball. Rosalinde Droste steht bereits im Abwurfkreis. Sie geht leicht in die Knie, holt aus, schwingt den rechten Arm elegant am Körper vorbei, und als er den höchsten Punkt erreicht, lässt sie die Kugel los. Sie beschreibt in der Luft einen flachen Bogen, schlägt auf, rollt ein kurzes Stück und bleibt neben einer ganzen Reihe Kugeln liegen. Rosalinde Droste wiegt nicht ganz zufrieden den Kopf und macht das Feld dann frei für Walter Weil.

Mit Picknickkorb zum Spiel

Gemeinsam treten die Drei beim Boule-Turnier des Erkrather Cercles des Pétanques für den SC Unterbach an. "Unsere Vereinsfarben sind Rot und Schwarz", sagt Uwe Droste und deutet auf sein rotes Polo-Shirt und die schwarze Hose. "Wir sind alle Gründungsmitglieder der Boule-Abteilung, doch in dieser Konstellation spielen wir heute das erste Mal zusammen. Das klappt ganz gut." Um kurz nach neun Uhr haben sie sich auf dem Wettkampfgelände an der Gerberstraße eingefunden, ihre Campingstühle und den Picknick-Korb ausgepackt. "So ein Turnier kann sich bis in den Abend hinziehen, da müssen wir auf alles vorbereitet sein", betont Uwe Droste mit Blick. Rund um die Bahnen haben sich zahlreiche Teilnehmer auf Stühlen und Hockern niedergelassen. Der Duft nach gegrillten Würstchen weht herüber.

Scheinbar ungerührt vom Trubel um sie herum, sitzen Hans Rutowitz und Eddi Holly am Spielfeldrand und verfolgen die Partien. "Die Belgier und die Holländer werden den Sieg unter sich ausmachen", prophezeit Hans Rutowitz, und sein Banknachbar nickt zustimmend. "Das ist eigentlich unser Platz. Normalerweise spielen wir hier jeden Vormittag von zehn bis zwölf Uhr", sagt Eddi Holly mit britischem Akzent. "Da unser Verein Gastgeber ist, dürfen wir nicht mitspielen", erklärt der 83-Jährige. Für ihn und seinen Boule-Partner gibt es viel zu sehen, denn beim Triplet-Turnier treten 81-Teams mit jeweils drei Spielern in vier verschiedenen Gruppen gegeneinander an. "Die Mannschaften, die die ersten beiden Duelle gewonnen haben, spielen in Gruppe A, die anderen in den etwas schwächeren B, C oder D", erklärt Norbert Koch, Sprecher des Cercles des Pétanques. Dann greift er wieder zum Mikrofon. "Wir suchen die älteste Mannschaft. Zählt also mal zusammen, wie alt ihr gemeinsam seid", verkündet Norbert Koch. Etwas zögerlich treten die ersten Teams auf ihn zu. "Ich höre gerade 219 Jahre sind diese Drei", sagt der Sprecher und deutet auf die zweite Mannschaft des SC Unterbach. "Wir haben 225", betont Trudi Butz vom TSV Hochdahl. "Das ist mehr", sagt Norbert Koch und drückt ihr und ihren Mannschaftskollegen Georg Moors und Roland Oberste je eine Flasche Düsseldorfer Kirsch in die Hand.

Auf dem Platz nebenan werfen unterdessen die Gegner von Walter Weil, Uwe und Rosalinde Droste die letzte Kugel. Tom Gietmann blickt konzentriert auf die Konstellation. Er kneift die Augen zusammen, nimmt Maß, geht leicht in die Knie und wirft. Die Kugel verspringt in einer Unebenheit. "Mist!", entfährt es Tom Gietmann. Uwe Droste zielt und wirft. Klack! Seine Kugel trifft die der Gegner, lässt sie zur Seite spritzen und platziert sich an ihrer Stelle in der Mitte. "Gewonnen!", jubelt Rosalinde Droste.

(domi)
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