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Kreis Mettmann: "Das ist eine Katastrophe"

Kreis Mettmann : "Das ist eine Katastrophe"

Die Bürgermeister des Kreises Mettmann protestieren gegen den Regionalplan. Sie werfen der Bezirksregierung vor, klammheimlich einen Entwurf entwickelt zu haben, der auch Mettmann, Erkrath und Wülfrath schaden werde.

Bernd Günther, Claudia Panke und Arno Werner sind sich einig: Der geänderte Regionalplan darf so nicht realisiert werden. Die Stadtchefs von Mettmann, Wülfrath und Erkrath protestieren gemeinsam mit den anderen Bürgermeistern des Kreises Mettmann gegen das Machwerk der Bezirksregierung.

 Claudia Panke schätzt die Lage für Wülfrath als "dramatisch" ein.
Claudia Panke schätzt die Lage für Wülfrath als "dramatisch" ein. Foto: jd

Das neue Konzept gesteht den Städten weniger Fläche für Gewerbe und Siedlungen zu. Das bedeutet nicht nur, dass Mettmann, Wülfrath und Erkrath in den nächsten 20 Jahren nicht in dem Maße wachsen können, wie sie es geplant haben. Schlimmer: Die Städte müssen sogar Flächen, die im Flächennutzungsplan als Siedlungsgebiete ausgewiesen sind, zurücknehmen: Dort, wo Wohngebiete geplant sind, können damit keine gebaut werden. 21 Hektar werden in Wülfrath gestrichen. In Erkrath sind es 22, in Mettmann 14.

"An uns vorbei gearbeitet"

Die Begründung der Bezirkregierung, mit neuen Zahlen auf die demografische Entwicklung zu reagieren, lassen die Stadtchefs nicht gelten. Sie werfen der Behörde vor, sie hintergangen zu haben. "Die fast 100-seitige Vorlage zur Regionalplanung kann kaum über Nacht geschrieben worden sein", kritisiert der Vorsitzende der Bürgermeisterkonferenz im Kreis Mettmann, Langenfelds Stadtoberhaupt Frank Schneider. "Während wir angeblich ergebnisoffen auf der Fachebene diskutieren, hat die Bezirksregierung also offenbar im Hinterzimmer an uns allen vorbei gearbeitet."

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Von Überrumpelung könne keine Rede sein, sagt indes die Bezirksregierung. Vorgehen und Methodik der neuen Berechnung seien in einer kommunalen Inforunde päsentiert worden. Wülfraths Bürgermeisterin Claudia Panke ist wütend. "Man fühlt sich als Stadt und Kreis nicht ernst genommen." Die Planung sei für Wülfrath "dramatisch, ja, eine Katastrophe".

Vor allem im Gewerbebereich werde "das Überleben von Wülfrath komplett zunichte gemacht". Die Stadt darf dem Entwurf zufolge elf Hektar weniger als Gewerbeflächen ausweisen, als sie vorgesehen hatte. Mettmann trifft es mit minus 82 Hektar noch härter. Erkrath gewinnt einen Hektar hinzu. Panke: "Für uns heißt das, dass wir keine neuen Flächen mehr anbieten können. Bestehendes Gewerbe kann auch nicht erweitern." Interessenten müsse die Stadt dann abweisen — was sie im Hinblick auf ein mögliches Ende des Kalkabbaus in einigen Jahrzehnten zur Schaffung neuer Arbeitsplätze anders geplant hatte. Die Bürgermeister wollen alles daran setzen, dass der Entwurf nicht festgeschrieben wird. Der Masterplan Neandertal sei nicht betroffen, sagt Mettmanns Bürgermeister Bernd Günther.

(RP/rl)