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Serie Die Schwere Geburt Des Kreises Mettmann: D oder ME - das war die Erkrather Frage

Serie Die Schwere Geburt Des Kreises Mettmann : D oder ME - das war die Erkrather Frage

Die Landesregierung wollte Erkrath zu Düsseldorf schlagen. Doch die Erkrather hatten ganz andere Zukunftsvorstellungen.

Für die mit 48 Jahren jüngste Stadt im Kreis Mettmann hätte die kommunale Neugliederung im Jahr 1975 auch eine völlig andere Wendung nehmen können. Dann würden die Erkrather heute mit einem Düsseldorfer Kennzeichen fahren und Teil der Landeshauptstadt sein - und damit lediglich ein Stadtteil unter vielen anderen. Erkrath nämlich sollte nach den Plänen der nordrhein-westfälischen Landesregierung der Stadt Düsseldorf zugeschlagen werden.

"Das wollten die Erkrather aber nicht", erinnert sich SPD-Alt-Bürgermeister Rudolf Unger, der in der Vorbereitungsphase zur kommunalen Neugliederung erster stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Hochdahl war. Um die landespolitischen Pläne möglichst noch zu verhindern, hätten die Erkrather und Hochdahler Kontakt aufgenommen, um auszuloten, ob es nicht viel besser sei, dass sie künftig einen gemeinsamen Weg gingen. "Beide Gemeinden stimmten schließlich für den Zusammenschluss" sagt Rudolf Unger.

Ganz ohne Probleme ging es im Vorfeld der späteren Zweckehe aber auch nicht zu. Da stand beispielsweise die Frage im Raum, ob die neu zusammengeschlossene Stadt nicht auch einen neuen Namen bräuchte. Doch Diskussionen hin oder her - alles schien besser, als der Anschluss an Düsseldorf. Jetzt mussten nur noch die Mitglieder des entsprechenden Ausschusses im Düsseldorfer Landtag von den Erkrath-Hochdahler Plänen überzeugt werden. Zur zweiten Lesung des Gesetzentwurfes im Juni 1974 empfahl der zuständige Ausschuss neben einer Reihe von Grenzkorrekturen insbesondere folgende Änderungen gegenüber dem Entwurf der Landesregierung: "die Stadt Erkrath (außer Unterbach) und die Gemeinde Hochdahl nicht in die Stadt Düsseldorf einzugliedern, sondern zu einer selbständigen kreisangehörigen Stadt zusammenzuschließen." Der Weg für die gemeinsame Zukunft schien frei, doch für die dritte Lesung am 10. Juli 1974 wurde ein erneuter Änderungsantrag eingebracht: Erkrath und Hochdahl sollten nun doch nach Düsseldorf eingeliedert werden. Ein anderer sah vor, Erkrath-Unterbach in die neue Stadt Erkrath einzubeziehen und nicht nach Düsseldorf einzugliedern.

Wie die Abstimmung letztendlich ausging, zeigt die Gegenwart: Hochdahl, Erkrath und Unterfeldhaus bilden seit 1975 die gemeinsame Stadt Erkrath. Unterbach jedoch musste sich aus dem Verbund verabschieden und gehört seither zur Landeshauptstadt. Mit zum Teil starken Einschnitten. Rund 50 Prozent der Straßen in Unterbach mussten nach der kommunalen Neugliederung umbenannt werden, weil es sie in Düsseldorf bereits gab. Betroffen davon war auch die Gerresheimer Straße, die nicht nur durch Unterbach, sondern auch durch Unterfeldhaus führte. Die heißt seitdem Gerresheimer Landstraße. Und aus den einstigen Straßen-Nachbarn sind Bürger zweier Städte geworden. Was geblieben ist, ist die durchgehende Nummerierung der Häuser.

Doch so ganz haben sich die Unterbacher dann doch nicht von Erkrath verabschiedet. Die Erkrather Kirchengemeinden sind über die Stadtgrenzen hinaus tätig mit ihren Dependancen in Unterbach. Auch der Sportplatz des SC Unterbach blieb auf Erkrather Gebiet. Und wenn es um kulturelle Angebote und das Vereinsleben geht, dann treffen Unterbacher und Unterfeldhauser immer wieder zusammen. Auch Rudolf Unger wurde zu seinen Zeiten als Erkrather Bürgermeister immer von den Unterbacher Vereinen eingeladen.

Während die Unterbacher vielleicht gefühlsmäßig immer noch ein wenig an Erkrath hängen, "Hochdahl, Erkrath und Unterfeldhaus sind inzwischen zu einer Stadt zusammen gewachsen", glaubt Rudolf Unger.

(RP)