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Corona bringt Wirte in Existenznöte

Restaurants in Mettmann bis auf Lieferdienste geschlossen : Corona bringt Wirte in Existenznöte

Es gibt bereits Entlassungen und Kurzarbeit. Kredite halten Gastronomen für die falsche Form der Unterstützung.

Zu normalen Zeiten ist in der Mettmanner Gastronomieszene der Ober- und Innenstadt am Wochenende eine Menge los. Doch die Corona-Krise stellt alles auf den Kopf. Bereits in den vergangenen, Tagen, an denen es nur noch eingeschränkte Öffnungszeiten gab, hatten diese Beschränkungen bereits spürbare Auswirkungen. Jetzt aber ist auch das nicht mehr möglich. Restaurants dürfen nur noch Gerichte zum Abholen oder zur Auslieferung herrichten – vorausgesetzt, der Kunde kann das Essen abholen, ohne das Restaurant betreten zu müssen.

 Unsere Redaktion hörte sich bei einigen Mettmanner Gaststätten um, wie sie die Auswirkungen der Corona-Krise sehen. Der Tenor war eindeutig: Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln müsse gegen die Verbreitung des Corona-Virus vorgegangen werden. Da seien drastische Einschränkungen, die auch die Gastronomie betreffen, nicht zu vermeiden – die Gastronomen fügen sich in ihr Schicksal.

Und dennoch gibt es pfiffige Ideen. Martin Roos, Inhaber des „Pizzaleum“ an der Marie-Curie-Straße, hält weiter offen. Um den Kontakt mit Münzgeld zu vermeiden, kosten bei ihm alle Hauptgerichte bis auf weiteres jeweils zehn Euro. „Für ausnahmslos alle, die jetzt noch für die Gesellschaft arbeiten, wie Supermarkt-Mitarbeiter, Angestellte des Arbeitsamtes, Freiwillige oder Notbesetzungen der Schulen, kostet jede Hauptspeise nur fünf Euro“, teilt Roos auf seine Homepage mit. „Ich wollte ein Stück weit Dankbarkeit zurück geben“, erläutert Roos den Grund für seine Initiative.

Bis vor anderthalb Wochen habe sein Restaurant noch einen „halbwegs normalen Umsatz gemacht“, jetzt aber seien seine Einnahmen gen Null gesunken. Denn noch werde der Lieferdienst nur zögerlich angenommen, und auch das Sonderangebot kaum nachgefragt. „Es kann sein, dass das noch so eine Schockstarre ist, in der wir sitzen“, überlegt der 50-Jährige.

Seit 2009 betreibt er das Pizzaleum, das im Innen- und Außenbereich jeweils 100 Sitzplätze bereit hält. Eigentlich hätte das sonnige Wetter derzeit einen verheißungsvollen Start in die Hauptsaison bedeutet, „denn das, was wir im Sommer verdienen, geben wir im Winter aus“, erläutert er. Soll heißen: Das finanzielle Polster der Gastronomen ist nach überstandener Wintersaison eher mager.

Roos hat daher bereits auf Kurzarbeit umgestellt, einige seiner Aushilfen haben neue Jobs gefunden – beispielsweise bei der Firma Qiagen in Hilden, die Corona-Schnelltests entwickelt „und die wohl händeringend nach Mitarbeitern gesucht haben“. Die Überbrückungsprogramme der Regierung mit Hilfe von Krediten hält er nur für bedingt geeignet: „Da würden wir uns für die nächsten drei, vier Jahre verschulden und dann nur noch abbezahlen, was auch schon wieder ein Wahnsinn ist.“ Stattdessen hat er die Utopie, „dass man für drei Monate mal einfach alle Zahlungen einfrieren sollte“.

Auch Dora Papadopoulos, Wirtin des „Mettmanner Hofes“, sieht für ihre Mitarbeiter in der Küche und die Kellner nur die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld zu beantragen. Für die beliebte Wirtin bedeutet die jetzige Krise eine besondere Härte, mussten sie und ihr Ehemann Jannis, der als Chef-Koch im Restaurant tätig ist, im vergangenen Jahr doch wegen eines schweren Autounfalles den „Mettmanner Hof“ vier Monate schließen.

Helmut Steigerwald, Eigentümer des Restaurants „Bellini“ an der Ecke Lutterbecker/Eichstraße, geht von hohen Umsatzrückgängen aus, zumal er damit rechnet, dass diese Corona-Krise „mindestens bis zu den Sommerferien dauern wird.“ Bei ihm gibt es fünf Festangestellte und weitere Aushilfen. „Als Unternehmer habe ich eine soziale Verantwortung. Deshalb möchte ich tunlichst davon absehen, Kündigungen auszusprechen. Hinter jedem meiner Mitarbeiter steht auch eine Familie. Das darf man nicht außer Acht lassen und dies bereitet mir Sorge.“

Steigerwald vermisst klare Informationen und Ausführungsbestimmungen hinsichtlich der Zahlung des Kurzarbeitergeldes und der Beantragung von Zuschüssen zur Weiterführung des Betriebes. „Es wird viel über einen Rettungsschirm gesprochen, doch Konkretes weiß man nicht“, kritisiert er

Auch Peter Petkovic, zusammen mit Francesco di Martino Wirt im „Braukeller“, geht von einer längeren Schließung der urigen Kneipe in der Oberstadt aus. „Ich glaube kaum, dass wir am ursprünglich geplanten Termin 19. April wieder öffnen können.“ Für ihn ist es wichtig, dass nicht Kredite zur Überbrückung gewährt werden, sondern es direkte Zuschüsse seitens des Staates geben müsse. „Die derzeitige Corona-Krise bedeutet fast für die gesamte Gastronomie-Branche eine erhebliche Existenzbedrohung“ lautet sein Credo.