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Corona beschert Tafeln massiven Zulauf

Menschen in Not : Corona beschert Tafeln hohen Zulauf

Kurzarbeit und Jobverlust als Resultat der Covid-19-Pandemie bringt viele Familien in existentielle Versorgungsnöte. Spürbar wird das an vielen Stellen, eine davon sind die ehrenamtlich geführten Tafeln, die mehr Gäste zählen.

Bereits im April warnten die Tafel-Träger vor einem dramatischen Anstieg der sozialen Not durch die Corona-Krise. Aufgrund von Jobverlusten und Kurzarbeit waren viele Neukunden auf die Versorgung mit gespendeten Lebensmitteln angewiesen, mit einer weiteren Zunahme sei zu rechnen. Denn Menschen, die in sozialer Not leben, erleben eine solche Krise drastisch.

Um Obst, Gemüse und andere Esswaren möglichst kontaktarm zu verteilen, hat die Tafel Mettmann ihre Abläufe verändert, wie Gisela Fleter bestätigt. „Am Standort verteilen wir nichts, zwei Mal pro Woche ist ein Lieferdienst für unsere Kunden unterwegs.“ Deutlich sei die Zahl der Bezieher gestiegen, „angefangen haben wir mit 70 Familien, aktuell sind es 135“, die Diakonie verzeichnet weitere Kunden. Die Bezieher sind nicht nur ältere Leute, ebenso nutzen Jüngere das Versorgungsangebot der Tafel.

Die Corona-Pandemie führt nicht allein zur Kontaktreduktion. „Wann wir in Metzkausen wieder aufmachen, ist unklar. Bislang haben wir kein grünes Licht für unser Konzept bekommen“, sondern auch andere logistische Herausforderungen: „Inzwischen fahren wir Montag bis Donnerstag Geschäfte an, um Lebensmittel einzusammeln“, vor Covid-19 reichten dazu zwei Termine. „Inzwischen müssen wir Lebensmittel dazukaufen, weil das, was zur Verfügung gestellt wird, nicht ausreicht.“ Zusammen mit dem neu installierten Lieferdienst führt das zu weiteren Ausgaben, die die Tafel zu stemmen hat, „wir sind dringend auf Spenden angewiesen“, geht der Appell an Unterstützer.

Durch die Umstellung der Arbeit konnte die Tafel Erkrath inzwischen wieder öffnen, wie Jürgen Mann über die Rückkehr zur neuen Normalität nach fünfwöchigem Lockdown zu berichten weiß. „Die Gäste deuten auf das, was sie gerne möchten, und unsere Ehrenamtler packen es ihnen dann ein“, beschreibt er das neue Prozedere. Zehn Neuanmeldungen verzeichnen er und seine Tafel-Mitmacher. „Insgesamt sind es jetzt 350 Familien, die wir betreuen, also 1100 Menschen“, als vor inzwischen 20 Jahren der Standort in Betrieb genommen wurde, waren es 80. „Die Unternehmen in Erkrath sind ebenso spendenfreudig wie in der Vergangenheit“, daher herrscht wenig Mangel an Essbaren. Doch der Löwenanteil der ehrenamtlichen Helfer zählt zur Risikogruppe, „als wir jetzt wieder geöffnet haben, blieben viele Helfer zu Hause“, erklärt der Tafelvorsitzende. „Uns mangelt es nicht nur an Aufgabehelfern, uns fehlt es auch an Fahrern und Beifahrern“ zur Aufrechterhaltung des Betriebs.

„Bis zu 20 Studenten helfen bei uns“, freut sich Renate Zanjani von der Bergischen Diakonie über junge Unterstützung. Ein Dreier-Team dieser Studenten hat „den Hut auf“ beim neu konzipierten Hauslieferungssystem, zu dem sich „jetzt vier weitere Kunden angemeldet“ haben. „Die Corona-Krise haben wir als Chance genutzt, uns an mancher Stelle neu zu organisieren“, sagt Renate Zanjani über Veränderungen im Niederbergischen Tafel-System. Die Hauslieferung ist eine der Ideen, dass an der Ausgabestelle in Wülfrath nun nach einem alphabetischen Prinzip vorgegangen wird, ein anderes. „Das funktioniert gut. Denn wir teilen vor der ersten Ausgabe die Produkte so ein, dass auch der letzte Buchstabe noch die gleiche Auswahl wie der erste hat.“ Aber „deutlich seltener können wir Fleisch und Wurst anbieten. Das bekommen wir deutlich weniger gespendet.“