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Corona: Alternative zu Restaurantbesuch ist selbst kochen

Alternative zum Restaurantbesuch : Selbst ist der Koch und Nachtisch-Zubereiter

Wer Lebensmittel als Mittel zum Leben versteht, isst nicht monothematisch. Landfrauen machen aus Regionalem Essen mit Pfiff und Spaß.

Wann immer im Jahr Obst und Gemüse reif sind, wissen die Landfrauen im Kreis Mettmann damit etwas anzufangen. Was, das erzählt Marlene Rosendahl nicht bloß zu Zeiten weitestgehend unbesuchbarer Restaurants, Kneipen und Imbiss-Stuben gerne. Sie ist staatlich geprüfte Oecotrophologin und betreibt mit ihrem Ehemann Gerhard, einem staatlich geprüften Landwirt, den Hofladen am „Gut Ellscheid“ in Haan. „Kochkurse gebe ich zurzeit keine“, berichtet sie. Wer sie auf dem landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb besucht, bekommt neben frischen Viktualien beispielsweise ihre Chutneys – und Rezepturen mit Gelingsicherheit.

Gut, köstlich und gesund zu kochen ist für sie eine Frage der passenden Zutaten, dem richtigen Timing, Experimentierlust und Spaß an der Sache, macht die Oecotrophologin auch Kochlöffel-Legasthenikern Mut. „Regionales und Saisonales lässt sich immer wieder total interessant in moderner Variante zubereiten“, erklärt sie – und ist in ihrem Element. Dass die gute alte Rauke beispielsweise als Rucola zu neuen Ehren als beliebtes Kraut für Salate oder mediterranes Essen reüssiert, entlockt ihr ein Lächeln. „Die Liste alter Gemüse ist lang, überraschend und überaus köstlich“, leitet sie zu Rote Bete über, „absolut vitaminreich und so unterschiedlich verwendbar“.

Ob gegart, püriert, um einige spezielle Gewürze verfeinert und dann im Glas konserviert, oder zusammen mit einem Schafskäse und Birnenscheiben serviert – köstlich ist sie immer. Die Generation der Großmütter machte sie früher eher aus Not ein. „Einmachen“ ist ein Lieblingsthema von Marlene Rosendahl, und zwar nicht als trübe Langweile in öligen Gefäßen, sondern würzig, süß, sauer, fruchtig, „das gute Chutney erfreut als Geschmacksexplosion“, erklärt Kochkollegin Anke Clevenhaus. „Vorsicht bei der Zubereitung, da müssen unbedingt Handschuhe getragen werden“, wissen die Fachfrauen. Das Gemüse färbt stark ab, wer da auf entsprechende Vorsichtsmaßnahmen verzichtet, „hat es schön schwer, den Pflanzensaft wieder von den Händen zu bekommen“.

„Natürlich schmeckt nichts, wenn es beispielsweise verkocht ist“, steigt Marlene Rosendahl ins weite Feld der Zubereitungsarten ein. Jetzt etwa ist Saison für Kohl verschiedenster Arten, „aber er muss eben Biss haben“, sagt sie über den Klassiker Weißkohl. Außerdem setzt sie auf das Überraschungsmoment Kreativität, „das hat schon bei meinen Kindern funktioniert“, erinnert sie sich an Serviervorschläge. Bekanntermaßen bevorzugt der Nachwuchs statt gesunder Kost oft Paniertes oder Nudeln, beides in Sachen Ernährungswert nicht gerade empfehlenswert. „Also muss man tricksen“, da hilft es, die Zutatenliste nicht laut zu propagieren, „dass meine Hackpfanne aus viel, viel Wirsing besteht, habe ich anfangs einfach gar nicht erzählt“.

Gleiches gilt für Kartoffeln, für viele bloß schnöder Magenfüller, für Landfrauen wie Beate Kneer, Anke Clevenhaus und Marlene Rosendahl Basis für tausendundeine Idee. Aus der idealerweise mehlig kochenden Knolle arbeitet sie Püree, das sie durch die „Flotte Lotte“, einem Sieb, gibt und mit heißer Milch verrührt. Dann noch mit Muskat und Salz abschmecken und als hübschen Klacks zu Zwiebelstroh oder mediterranem Gemüse auftischen. Je nach gewünschter Sämigkeit ist der Milchanteil höher oder geringer, „nie mit dem Pürierstab arbeiten, dann zieht sich alles zusammen wie Kleister und wird kletschig.“

Doch bekanntermaßen lebt der Mensch nicht von Gemüse allein, Süßes ist Nervennahrung und tut der Seele gut. Vielleicht ganz besonders in Zeiten von Covid-19, in denen der gewohnte Alltag Kopf steht. Etwa Apfelmus selbst zu machen ist ein Klacks und viel vitaminreicher als Convenience-Produkte. Überhaupt lässt sich aus Äpfeln und Birnen viel zaubern, sagt sie über ihr Apfel-Tiramisu, „das ist mal was anderes“.

„Wenn ich koche oder backe checke ich vorher, was im Haus und der Vorratskammer ist und verbraucht werden sollte“, erklärt sie über optimale Viktualienverwertung, die außerdem Kosten nicht aus den Augen verliert. Außerdem ist sie ein Freund von Köstlichkeiten, die sich „problemlos und schnell zubereiten lassen“, eben wie ihr Apfel-Tiramisu. „Eine optimaler Nachtisch, der sich gut vorbereiten lässt“, beispielsweise wenn Gäste erwartet werden.