Mettmann: Chöre finden zueinander

Mettmann : Chöre finden zueinander

In der evangelischen Kirche an der Freiheitstraße erleben die Besucher die Passionserzählung der Maria Magdalena. Die Mettmanner und Remscheider Sänger harmonieren hervorragend.

Andächtige Stille herrschte in der Evangelischen Kirche an der Freiheitsstraße, nachdem die letzten Töne der "Passionserzählung der Maria Magdalena" verklungen waren. Der Beifall, mit dem das Publikum Solisten, Chorsängern und Musiker für ihre hervorragenden Leistungen belohnte, fiel nach dem fast greifbaren Atemholen anhaltend aus und mündete in Standing Ovations.

Das als Gemeinschaftsprojekt des "Vokalensemble" der Evangelischen Kirchengemeinde in Mettmann" und dem "Chor der Evangelischen Stadtkirche Remscheid" mit Mezzosopran Dagmar Linde und Bariton Thomas Busch als Solisten, Roselies Evang an der Orgel und Ruth Forsbach am Dirigentenpult aufgeführte Werk verlangte allen Mitwirkenden höchste Konzentration ab. Auch das Publikum, das die Aufführung gebannt verfolgte, wurde ob der gelegentlich ungewohnten Klänge sehr gefordert.

Halbes Jahr vorbereitet

Der 2003 verstorbene Komponist Hennig Frederichs (*1936) lässt in seinem Oratorium Maria Magdalena als Zeitzeugin die Geschehnisse auf Golgatha vor einer fiktiven Urgemeinde berichten. Solistin Dagmar Linde hat sich auf ihren Part rund ein halbes Jahr vorbereitet: "Ich habe mich mit allen Facetten, die diese Frauenrolle umfasst, auseinander gesetzt. Maria Magdalena ist Prostituierte, Liebende, Leidende und Zeitzeugin zugleich. Alle Emotionen, die sie empfindet, muss auch ich fühlen," schwärmt Linde von ihrer Rolle. Mit der studierten Sängerin und Kirchenmusikerin, deren Schwerpunkt im Lied- und Oratorienfach liegt und die an der Uni Witten/Herdecke eine Lehrstuhl für Gesang innehat, hat die Remscheider Kantorin eine wahren Glücksgriff getan. Auch Thomas Busch zögerte nicht, als Roselies Evang ihm den männlichen Solopart antrug: "Es ist ein faszinierendes, avanciertes Stück", sagt der Orchestersänger.

Voll des Lobes für die Chöre war Ruth Forsbach, die souverän das Kunststück vollbrachte Sänger, Musiker sowie Roselies Evang an der Orgel gleichermaßen zu leiten. Ihre Kollegin und Freundin Roselies Evang ergänzt: "Es hat nur so toll funktioniert, weil die beide Chöre trotz der langen Probenintervalle sehr schnell zueinander gefunden haben. "Nach der ersten Probe habe ich gedacht, das schaffst Du nie," fasst Ulrike Seedig, Mitglied im Mettmanner Vokalensemble, ihren ersten Eindruck vom Stück zusammen, in dem sich von den Männerstimmen fast rezitierten lateinische Stundengebete mit in Deutsch von den Frauenstimmen gesungenen und geflüsterten Partien abwechseln. "Doch dann hat mich der Ehrgeiz gepackt. Ich habe mich zu Hause wieder und wieder ans Klavier gesetzt, um zu üben. Und bei der Gesamtprobe habe ich dann gedacht, es hat sich gelohnt."

Das fand auch Zuhörerin Dagmar Hildebrandt: "Ein sehr außergewöhnliches Konzert, das in Passagen an Stockhausen erinnerte. Eine brillante Aufführung, von der ich mir in Mettmann mehr wünschte."

(RP)
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