Mettmann: CDU beklagt "strategische Fehler"

Mettmann : CDU beklagt "strategische Fehler"

Kreisvorsitzender Jan Heinisch sieht die Schuld am Absturz in fehlender Wechselstimmung und beim Spitzenkandidaten Röttgen. Liberale jubeln: der Kreis ist FDP-Hochburg. Grüne: gegen Pipeline und Fracking. Piratin Ria Garcia Rodriguez: Wir müssen noch viel lernen.

Fehlende Wechselstimmung im Land und "strategische Fehler" des Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Norbert Röttgen macht der CDU-Kreisvorsitzende, Jan Heinisch, für den Absturz der Christdeokraten bei der Landtagswahl am Sonntag verantwortlich. Ungewöhnlich scharf greift der CDU-Chef im Kreis in einer öffentlichen Erklärung noch in der Nacht zu Montag Röttgen an.

Zur besseren Ansicht bitte auf die Grafik klicken. Foto: Institut für Wahl-, Sozial und Methodenforschung

Zuvor hatte im Kreishaus der Verlierer im Wahlkreis 39, der Mettmanner Marc Ratajczak, Röttgen bereits die Schuld an der Niederlage zugewiesen und von einem "Strudel" gesprochen, in den Röttgen die CDU gerissen habe. Kreisvorsitzender Heinisch machte sich anders als Ratajczak in der Öffentlichkeit rar, als die Niederlage klar war. Im Kreishaus ließ er sich nicht blicken. Den sofortigen Rücktritt Röttgens nannte er in seiner Erklärung "konsequent".

Heinisch bedauerte, dass Marc Ratajczak, Harald Giebels und Hans-Dieter Clauser dem neuen Landtag nicht angehören werden. Wilhelm Droste schaffte den Sprung nur, weil er als Justiziar der Landtagsfraktion auf Platz zehn der Landesliste abgesichert ist.

Hoher Einsatz wurde nicht belohnt

Heinisch wies auf den hohen Einsatz hin, den alle vier Kandidaten im Wahlkampf gezeigt hätten. Dies spiegele sich in dem deutlichen Vorsprung wieder, mit dem sie bei den Erststimmen mit Ergebnissen zwischen 33,3 und 37,6 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt liegen. Dennoch musste Heinisch einräumen: "Wir haben unser Ziel, alle vier Landtagswahlkreise erneut direkt zu gewinnen, leider nicht erreicht."

Auch die FDP wird an der neuen Landesregierung nicht beteiligt sein. Dennoch konnte der Kreisvorsitzende, der Mettmanner Dirk Wedel, jubeln: "Der Kreis Mettmann hat sich erneut als eine liberale Hochburg erwiesen." Kreisweit verzeichnet die FDP deutliche Zugewinne und Ergebnisse, die über dem Landesdurchschnitt liegen.

Die Grünen sind trotz Stimmenverlusten mit dem Ergebnis der Wahl zufrieden, sagte der Kreisvorsitzende Peter Knitsch aus Erkrath. Die Grünen würden sich dafür einsetzen, so Knitsch, dass bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen mit der SPD vor allem die für den Kreis wichtigen Themen der Verhinderung der CO-Pipeline und des Fracking, ein besserer Lärmschutz und ein Stopp des übermäßigen Flächenverbrauches aufgegriffen werden.

Der Sprecher der Linken und Landtagskandidat im Mettmann und Erkrath, Rainer Koester, bedauerte, dass die Linke als politische Kraft der "kleinen Leute" im Landtag künftig fehlen werde. Die Linke werde aber weiter Politik machen — in Gewerkschaften, Mietervereinen und Bürgerinitiativen.

"Wir kommen aus dem Grinsen nicht mehr heraus": So Pirat Volker John. "Die Piraten sind im Landtag, damit können wir zufrieden sein." John und Ria Garcia Rodriguez, die Direktkandidaten für die Wahlkreise 36 (Langenfeld, Monheim) und 37 (Mettmann Süd, Erkrath, Hilden Nord, Haan), waren bei der Wahlparty ins Düsseldorfer Veranstaltungszentrum Zakk dabei, obwohl sie nicht auf der Landesliste standen und keine Chance hatten, in den Landtag einzuziehen. Rodriguez, die als Personalberaterin arbeitet, hatte nicht für einen Listenplatz kandidiert, weil sie erst seit Jahresanfang in der Partei ist und fand, dass ihr die nötige Erfahrung fehlt. "Keine Frage: Wir Piraten müssen noch viel lernen", sagt sie. Sie selbst will sich für ihre Partei kommunal stärker einsetzen, hat dabei die Schwerpunkte Bildung, Arbeit und Soziales im Blick. "Ganz besonders interessiert mich Mettmann, weil ich dort wohne", sagt die Piratin. "Auch die anderen drei Städte meines Wahlkreises werde ich nicht aus dem Blick verlieren."

(RP/url/ila)
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