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Erkrath: Bücher auf dem Scheiterhaufen

Erkrath : Bücher auf dem Scheiterhaufen

Die Stadtbücherei erinnert an die Verbrennung der Werke bedeutender Schriftsteller durch die Nazis.Das Leitwort stammt von Heinrich Heine: „...wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

Viele Menschen gedachten am Samstag in ganz Deutschland der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten vor 75 Jahren. In der Stadtbücherei im Bürgerhaus in Hochdahl fanden eine Ausstellung und Vorlesungen zur Erinnerung an diese frühe NS-Schandtat statt.

Die Veranstaltungen standen unter dem Heinrich-Heine-Zitat „...wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“. In Berlin wurden Lesungen und Vorträge und Gesprächsrunden am Bebelplatz, dem damaligen Opernplatz, veranstaltet, auf dem Studenten, Professoren und Angehörigen von NS-Verbänden am 10. Mai 1933, wie in 21 anderen Großstädten auch, zehntausende Bücher sozialistischer, jüdischer und pazifistischer Schriftsteller bei der „Aktion wider den undeutschen Geist“ auf brennende Scheiterhaufen geworfen hatten. Die Taten waren stets begleitet von „Feuersprüchen“, in denen Autoren verhöhnt wurden.

Politiker lesen vor

Vorlesepaten und Politiker, darunter die stellvertretende Erkrather Bürgermeisterin Regina Wedding (CDU), Ratsmitglied Peter Knitsch (Grüne), Wolfgang S. Baecker (FDP) sowie SPD-Fraktionsvorsitzender Detlef Ehlert, zitierten Gedichte oder Kurzgeschichten der von den Nazis entwürdigten Autoren. Vertreten waren unter anderem Werke von Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Heinrich Heine und Erich Kästner, der Zeuge der Verbrennung seiner eigenen Bücher auf dem Berliner Opernplatz wurde und seinen Namen im zweiten Feuerspruch hörte. Ein bisschen bedauerlich war jedoch das geringe Interesse der Bevölkerung. Zu den Vorträgen erschienen nur wenige Besucher.

Bücherei-Leiterin Michaele Gincel-Reinhardt war die Beteiligung an diesem symbolischen Protest gegen Meinungsfreiheit und Menschenwürde ein wichtiges Anliegen. „Ohne Zensur leben zu können, ist eine der wichtigsten Freiheiten überhaupt.“

Gerade weil mit Wolfgang Hermann 1933 ein Bibliothekar die so genannte „schwarze Liste“ des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ zusammenstellte, die schließlich als Grundlage für die Bücherverbrennung diente, sei auch der Buchhandel aufgerufen, sich an den Protestaktionen zu beteiligen.

Zur Vorbereitung hatte Gincel-Reinhardt Politiker, Schulen und Vorlesepaten schriftlich um deren mitwirken gebeten. Die Resonanz sei positiv gewesen. Die Ausstellung mit Porträts und Textauszügen aus Werken betroffener Schriftsteller wird einen Monat in der Bücherei zu sehen sein. Natürlich können deren Bücher ausgeliehen werden.

(RP)