1. NRW
  2. Städte
  3. Mettmann

Mettmann: Bomber gefunden - Bunker gesucht

Mettmann : Bomber gefunden - Bunker gesucht

Der Mettmanner Marcel Lesaar ist Hobbyarchäologe. Er fand die Überreste eines Halifax-Bombers am Benninghof.

"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft", umschreibt Marcel Lesaar sein Hobby. Wann immer es seine Zeit zulässt, ist der gelernte Bankkaufmann als Spurensucher unterwegs. Seit drei Jahren in ehrenamtlicher Funktion beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege Overath. Zusammen mit Kollegen konnte der Mettmanner ein Stück Weltkriegsgeschichte durch einen abgeschossenen Bomber über dem Benninghof dokumentieren. Und er bleibt weiter auf Achse.

"Grundsätzlich habe ich Interesse an Forschung". In ausführlicher Recherche plus Dokumentation widmete er sich zunächst der eigenen Familie. Kindheit geht ohne Heimat nicht, also nahm er im nächsten Schritt Mettmann unter die Lupe. "Meine Ergebnisse wollte ich gerne der Öffentlichkeit zugänglich machen." Er erstellte eine Homepage. Auf ihr wurden sozusagen als gestern und heute bestimmte Ecken und Straßen einander gegenübergestellt. "Eine vernünftige Dokumentation ist keine Pflicht, macht aber am meisten Spaß". Durch das Lesen, sich umhören und eigenen Spürsinn stieß er dann zusammen mit Kollegen auf den bisher spektakulärsten Fund, besagten Halifax-Bomber. Vielmehr dessen Bruchstücke. "Das war schon ein Aha-Erlebnis, als ich das verbogene Stück Kupfer mit der Aufschrift "Centre Tank" in der Hand hielt", beschreibt er den Moment, als er die vormalige Tankanzeige der Halifax identifizierte. "Man ist so nah an der Crew dran, das ist sehr emotional." Ebenso wie die anschließend zu Dokumentationszwecken geführten Gespräche mit der Verwandtschaft. "Ohne Medien wie Skype wäre so etwas gar nicht möglich", am Ball bleiben muss man in so einem Fall. "Denn Zeitzeugen werden ja nicht jünger." "Unglaublichen Spaß" macht Marcel Lesaar die Arbeit als Spürhund, "das Ziel ist immer, irgendein Detail zu finden, um darauf aufbauend weitermachen zu können."

  • Der verletzte Sven Gehrmann (l.) kann
    Fußball : SC Unterbach tritt selbstbewusst in Benrath an
  • Goran Tomic hat mit seiner Elf
    Fußball : 1. FC Wülfrath will den fünften Sieg landen
  • Ardian Duraku (Mitte) sah die rote
    Fußball : ASV Mettmann holt in Unterzahl einen Punkt in Velbert

Auf seinen Touren ist das wichtigstes Accessoire ein Metalldetektor. "Und dann hoffe ich, dass es piept", umschreibt der 48-Jährige das Geduldspiel. Geduld, davon braucht der Hobby-Forscher ein Übermaß. "Natürlich piept es öfter mal. Dann buddelt man in der Erde rum - und findet ein altes Hufeisen", sagt der Mettmanner. Oder etwas entpuppt sich als Finte in Form zerdrückter Knöpfe oder als wertlose Teile von Kinderspielzeug.

Und dann sind da diese Volltreffer, die das Herz schneller schlagen lassen. Nicht immer mit kriegerischem Hintergrund, zuweilen als heimatkundlicher Beitrag. So wie bei einer Baustellenbeobachtung an der A 44 Richtung Heiligenhaus. Eine Handvoll Scherben waren gar nicht irgendwelche Ziegelreste. Sie waren die zerbröselten Relikte eines kleinen Kottens. Irgendwann im 17. Jahrhundert erbaut und Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen, wie der Hobby-Geschichtler weiß. "So etwas gerät irgendwann in Vergessenheit", deshalb hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Fundstücke akribisch zu dokumentieren und in den großen Kontext zu bringen. So wie das Aufspüren und Vermessen alter Bunkeranlagen. Der am Marktplatz ist versiegelt, in der Nähe der Talstraße soll sich ein weiterer befinden. "Da muss man mal gucken."

Jeder kann sich mit seinen speziellen Fähigkeiten einbringen, sagt er über sein Hobby. Das bezeichnet der Vater eines 8-jährigen Sohnes übrigens als "sehr speziell. Es gibt einige, die sich gerne was erzählen lassen. Aber wenige, die man zum Mitmachen animieren kann."

(von)