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„Betrüger nutzen Corona-Krise zur Abzocke“

Verbraucherzentrale für Mettmann und Wülfrath : „Betrüger nutzen Corona-Krise zur Abzocke“

Gerade rechtzeitig hat die für Mettmann, Wülfrath, Ratingen und Heiligenhaus zuständige Verbraucherzentrale Verstärkung erhalten, denn die Nachfragen steigen rapide.

Die Corona-Krise hat für vermehrte Anfragen bei der auch für Mettmann und Wülfrath zuständigen Verbraucherzentrale Velbert geführt. Glücklicherweise hat der Einrichtungsleiter Andreas Adelberger Verstärkung von Sabine Klischat-Tilly erhalten, die sich vor allem in den Bereich Reiserecht eingearbeitet hat. Andreas Adelberger sprach mit unserer Redaktion über die Hauptthemen in der Krise.

Was für Anfragen gibt es seit der Corona-Krise?

Adelberger Das fängt beim Einkaufen an. Was Verbraucher vorher stationär erledigt haben, wurde nun verstärkt online getätigt. Die Leute saßen zuhause und haben online eingekauft. So bekamen auch wir nun verstärkt Nachfragen zu Fake-Shops. Ich hatte da einen Fall, da hat eine Kundin bereits mit seiner Visa-Karte bezahlt, aber in letzter Sekunde realisiert: da ist was komisch. Es gab kein Impressum. Sie konnte gerade noch den Auftrag bei Visa stoppen. Hier machen wir vermehrt Verbraucherbildung. Wie erkennt man einen Fake-Shop? Gibt es ein Impressum? Stehen da nur Postfachadressen?

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Es sind also Betrüger auf den Corona-Zug aufgesprungen?

Adelberger Ja. Wir haben gerade auch so ein Massenphänomen von Kreditabzocke. Viele Menschen sind ja durch Corona in finanzielle Notlage geraten. Da gibt es dann im Internet – angeblich – Angebote von Schufa-freien Krediten, eine Mastercard wird angeboten. Dann kommt eine Sendung per Nachnahme und der Verbraucher muss 100 Euro zahlen. Doch er erhält keine normale Kreditkarte, sondern eine Prepaid-Karte, die er selbst aufladen muss – mit Geld, das er gar nicht hat. Und das ist noch nicht alles. Mit dem Mausklick, mit dem er die Karte bestellt hat, hat er weitere Dienstleistungen gebucht, die monatlich zu zahlen sind. Dann bekommt er Zahlungsaufforderungen und noch ein Inkassounternehmen an den Hals.

Wie sieht es mit den Reisen aus?

Adelberger Da haben wir natürlich sehr viele Anfragen, was Flüge und Pauschalreisen betrifft. Da hatte jemand einen Flug von Düsseldorf aus gebucht. Nun brauchte er einen Stellplatz für seinen PKW und hat gleich einen Platz im Parkhaus für vierzehn Tage gebucht und bezahlt. Dann bekam er von der Fluggesellschaft mitgeteilt, dass er nun doch von Dortmund abfliegt. Die Parkgebühren bekam er nicht zurück. Da kam die Frage, ob er von der Fluggesellschaft Schadenersatz verlangen kann.

Was für Probleme gibt es bei abgesagten Flügen?

Adelberger Wenn Ihr Flug annulliert worden ist, haben Sie das Anrecht auf Erstattung innerhalb von sieben Tagen. Doch vielfach werden die Leute hingehalten. Es herrscht Funkstille und nichts passiert. Das ärgert die Leute.

Wie sieht es mit Pauschalreisen aus?

Adelberger Viele Unternehmen bieten Gutscheine an. Doch die EU-Kommission hat es abgelehnt, dass der Verbraucher Gutscheine bei Pauschalreisen annehmen muss. Hier muss eine kostenlose Stornierung möglich sein.

Was bekommen Sie noch für Corona-bedingte Anfragen?

Adelberger Es kommen viele Anfragen zu abgesagten Konzerten oder auch geschlossenen Fitness-Studios. Wenn ich nun zwei Monate nicht trainieren konnte, werden die dann hintendran gehängt? Man kann bei vielen Anfragen da keine pauschalen Antworten geben. Da muss man ganz genau gucken, was für Verträge die Menschen abgeschlossen haben. Im letzteren Fall gilt aber, dass die Laufzeit nicht verlängert werden darf, sondern die Kundin für den Ausfall eine Erstattung verlangen darf.

Wie viele Anfragen haben Sie denn derzeit?

Adelberger Manchmal so 20 bis 30 Anfragen am Tag, das wechselt von Tag zu Tag. Einiges kann man schnell erledigen, manches erfordert eine umfangreiche Recherchearbeit. Wenn es um abgeschlossene Verträge geht, brauchen wir die vollständigen Unterlagen. Die Menge der Anfragen ist schon eine Herausforderung. Da kam Sabine Klischat-Tilly als neue Beraterin gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Das Gespräch führte Sandra Grünwald.