Wülfrath: Bestatter nach Maß

Wülfrath: Bestatter nach Maß

In den Räumen der Wülfrather Firma Rappold Karosseriewerke wurde vor kurzem ein Fernsehbeitrag über die Bestattungsbranche gedreht. Bis nach Nigeria liefert das Familienunternehmen speziell gefertigte Leichenwagen.

Als BMW im Jahr 1982 die Modelle der zweiten Dreier-Reihe heraus brachte, dauert es nicht lange und die Rappold Karosseriewerke in Wülfrath rüsteten die Autos zum Cabrio um. "Schade, dass wir uns die Idee damals nicht haben patentieren lassen", sagt Marketing-Leiterin Anne-Katrin Hoffmann. Denn wenig später kam BMW selbst auf die Idee, den 3er auch als Cabrio anzubieten. Der Wagen entwickelte sich zum Verkaufsschlager.

Nicht gerade täglich, aber regelmäßig und in alle Welt verkauft das Wülfrather Familienunternehmen heute Bestattungsfahrzeuge. Grund genug, für ein Fernsehteam in den Räumen an der Mettmanner Straße einen längeren Beitrag zu drehen. Die Firma Rappold gilt als Traditionsunternehmen der Branche. Schon 1948 zog der 2003 verstorbene Firmengründer Eugen Rappold nach Wülfrath an die Goethestraße. Seine Spezialität waren zu Lieferwagen umgebaute Personenwagen, die bei Bäckern, Metzgern und Handwerkern gefragt waren. 1948 bestellte eine Düsseldorfer Firma den ersten Bestattungswagen. Rappold wagte sich ins Neuland und die Firma ist damit bis heute erfolgreich.

"Diese zwei Wagen werden demnächst nach Nigeria verschickt", erklärt Anne-Katrin Hoffmann und zeigt auf zwei zum Bestatter umgebaute Mercedes der E-Klasse. Die Kundschaft ist international, fast jeder Sonderwunsch kann von den 35 fest angestellten und zehn freien Mitarbeitern erfüllt werden. Von Mercedes angeliefert wird die 5,59 Meter lange Rohkarosse mit sehr langem Radstand. Die Fahrerkabine ist vom Werk her komplett ausgestattet, das Dach und der gesamte Ausbau nach Fahrer- und Beifahrersitz fehlt allerdings.

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Verzinkte Stahlbleche

Mit verzinkten Stahlblechen gehen die Karosseriebauer nun zu Werke und bauen Stück um Stück den Bestattungswagen auf. Die Innenausstattung wie etwa blau oder lila-farbene Auskleidung ist frei wählbar. Je nach Ausstattung kostet ein Mercedes-Bestattungswagen etwa 95 000 Euro.

"Wir sind aber auch eine der wenige Firmen, die Stahlbleche verwenden. Das sorgt für Langlebigkeit und hohen Wiederverkaufswert", sagt Anne Katrin Hoffmann. Die Mitarbeiter können aber noch viel mehr. In einer Ecke der Halle steht ein großer, schwarzer Mercedes-Transporter mit einem russischen Kennzeichen. Der Wagen wird komplett gepanzert und wird in der Endausbaustufe schusssicher sein. Im Inneren darf sich der Besitzer bald auf edles Leder sowie eine eigene Toilette freuen. Nicht lange gezögert hat Rappold auch, als ein Kunde einen Geländewagen vom Typ Hummer zum Safari-Modell umbauen wollten. Der Wagen hat nicht nur eine Lackierung in Tarnfarben erhalten, sondern hat im hinteren offenen Freiluftbereich genug Platz für Passagiere, die etwa in der Savanne frei lebende Tiere beobachten wollen.

(RP)
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