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Berufungsverfahren: Sekundenschlaf auf der A3 bei Mettmann und seine Folgen

Unfallort nahe der Abfahrt Mettmann : Sekundenschlaf auf der A3 und seine Folgen

Die Unfallfahrerin, eine 24-jährige Duisburgerin, bekommt jetzt ihren Führerschein zurück, den ihr ein Gericht entzogen hatte.

Sekundenschlaf auf der Autobahn: Das ist der Alptraum eines jeden Verkehrsteilnehmers. Als Fahrer wird man davon heimgesucht, meist in Augenblicken großer Übermüdung. Geschieht ein Unfall, werden oft auch Unbeteiligte mit hineingezogen – zuweilen mit tödlichen Folgen.

Im Mai 2019 ist es auf der Autobahn A3 in Nähe der Abfahrt Mettmann zu einem solchen Unfallgeschehen gekommen. Eine 24-jährige Duisburgerin war auf dem Weg zur Berufsschule in Düsseldorf-Benrath, als sie von besagtem Sekundenschlaf heimgesucht wurde. Morgens im Berufsverkehr, die Standspur war als vierte Fahrspur freigegeben. Die junge Frau fuhr in der Spur nebenan und driftete von dort über den befahrenen Standstreifen rechts an die Leitplanke. Von dort rutschte der Kleinwagen zurück in die vorherige Fahrspur, um dort mit dem Auto eines anderen Verkehrsteilnehmers zusammenzustoßen. Am Ende war ein Sachschaden von 18.000 Euro zu beklagen, die Unfallbeteiligten blieben unverletzt. Noch am Unfallort wurde der Führerschein der Unfallverursacherin eingezogen. Das Mettmanner Amtsgericht verurteilte sie im September zu einer Geldstrafe von 900 Euro und verhängte ein Fahrverbot für fünf Monate. Der Führerschein hätte der 24-Jährigen damals zurückgegeben werden müssen, das hatte das Gericht versäumt.

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Die Unfallverursacherin war gegen das Urteil in Berufung gegangen, und auch die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt. Tenor der Anklage: Bei derartigen Verkehrsvergehen gebe es die Regel, dass der Führerschein eingezogen werde. Ob man sich betrunken ans Steuer gesetzt oder einfach nur die eigene Müdigkeit missachtet habe, spielte aus Sicht des Staatsanwalts keine Rolle. Zwar sehe die Rechtssprechung auch Ausnahmen von dieser Regel vor – dafür gebe es in diesem Fall kein Indiz.

Die junge Frau hätte sofort die Fahrt abbrechen müssen, als sie die aufkommende Müdigkeit bemerkt habe. So etwas kündige sich vorher an, ein „Augenblicksversagen“ sei das jedenfalls nicht gewesen. Übermüdung sei kein leichter Verstoß. Wer dennoch seine Fahrt fortsetze und die Anzeichen ignoriere, handele grob fahrlässig. Auf die vom Verteidiger der Angeklagten angebotene, gegenseitige Rücknahme der Berufung wollte sich der Staatsanwalt nicht einlassen – also wurde die Sache verhandelt.

Die noch bei den Eltern wohnende Angeklagte beteuerte, am Vorabend gegen 11 Uhr eingeschlafen zu sein und sieben Stunden geschlafen zu haben. Warum sie plötzlich vom Sekundenschlaf übermannt wurde, könne sie sich nicht erklären. Seit dem Unfall habe sie auch als Beifahrerin Angst. Wegen des eingezogenen Führerscheins sei sie seit neun Monaten auch über weite Strecken nur mit Bus und Bahn unterwegs. Über das Geschehene sei sie selbst erschrocken und froh, dass alles so glimpflich ausgegangen sei. Ihren Führerschein hätte sie dennoch gerne zurück – auch um nach der beendeten Ausbildung zur Bauzeichnerin die Technikerschule besuchen zu können.

Die Kammer musste nun entscheiden, ob die Angeklagte charakterlich ungeeignet zum Führen von Fahrzeugen ist mit der Folge, dass der Führerscheinentzug weiter aufrechterhalten wird. Die Berufungsrichterin sah das nicht so. Sie bestätigte das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts. Die Geldstrafe wird die junge Frau bezahlen müssen, den Führerschein bekommt sie nun zurück. Auf die Angeklagte dürften auch noch zivilrechtliche Ansprüche von Versicherungen zukommen.