Beirat fordert mehr ökologische Aspekte bei Regionalplanung

Kreis Mettmann : Naturschutzbeirat fordert mehr Ökologie im Regionalplan

Auch auf Kreisebene gibt es offenbar Bauchschmerzen mit der Ausweisung eines Neubaugebietes in Wülfrath-Düssel.

Der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde hat sich in einer Anhörung mit der ersten Änderung des Regionalplans Düsseldorf (RPD) beschäftigt. Der Beirat ist ein Gremium, das sich aus Vertretern von Umweltschutz-, Landwirtschafts- und Jagdverbänden zusammensetzt und die Untere Naturschutzbehörde – also den Kreis Mettmann – berät. Die Stellungnahme des Beirats fließt in die des Kreises mit ein.

Angesichts steigenden Bedarfs an Wohnraum hat die Regionalbehörde eine Änderung des Regionalplans erarbeitet. Unter dem Titel „Mehr Wohnbauland am Rhein“ wurden Flächen gesucht, die sich für die Entwicklung zu neuen Wohngebieten eignen – entweder für den Eigenbedarf der Städte, oder auch für den regionalen Bedarf (Pendler).

Konkret wurden im Kreis Mettmann rund 40 Flächen in allen zehn Städten untersucht. Für Objektivität und regionale Vergleichbarkeit wurden die Flächen mit einem Punktesystem bewertet und in Steckbriefen beschrieben. Maximal sind in Kategorien wie „verkehrliche Anbindung“, „Städtebau“ oder „ökologische Verträglichkeit“ 140 Punkte zu erreichen, wobei Flächen mit weniger als 40 Punkten unter die „Kappungsgrenze“ fallen und für den regionalen Bedarf nicht infrage kommen. Mit der Ausweisung im Regionalplan werden die Flächen zu „allgemeinen Siedlungsbereichen“ (ASB); ob sie tatsächlich bebaut werden, entscheiden die Kommunen.

Georg Görtz, Leiter des Kreis-Planungsamtes, stellte alle Flächen in alphabetischer Reihenfolge vor. Es ging darum, die bisherigen Stellungnahmen der Kreisverwaltung („Kreis begrüßt Aufnahme der Fläche in den RPD“ oder „Kreis sieht Fläche kritisch“) mit der Meinung des Beirats abzugleichen. In den meisten Fällen schlossen sich die Mitglieder dem Votum der Verwaltung an.

So wurde für Erkrath das Gebiet „Wimmersberg“ (Spitzenreiter mit 73,3 Punkten) bestätigt, aber die Flächen „Neanderbogen“ und „Zusammenschluss von Unterfeldhaus und Unterbach“ entsprechend der Kreismeinung abgelehnt. Differenzen ergaben sich für Mettmann und Wülfrath: Eine Fläche an der südlichen Eidamshauser Straße in Mettmann-West hielt der Kreis für geeignet, doch der Beirat votierte wegen des wertvollen Ackerbodens dagegen.

Auch das geplante Neubaugebiet im Süden von Wülfrath-Düssel sorgte für Zündstoff: Der Beirat war der Meinung, dass diese Fläche mit 44,8 Punkten zu hoch bewertet sei. Die künftige Anbindung an die S-Bahn-Linie nach Wuppertal habe die Bewertung verzerrt und der Boden sei von besserer Qualität als unterstellt, so dass es weniger Punkte für die „ökologische Verträglichkeit“ hätte geben müssen. Bezirksregierung und Kreis sehen die Fläche als „guten Pendlerstandort“ an, doch die Einwohner von Düssel sehen das anders, weil sie um den dörflichen Charakter fürchten.

Das Votum des Beirates wird nun an die zuständigen Ausschüsse weitergeleitet. Ergänzend wurden noch einige allgemeine Stellungnahmen formuliert: So fordert der Beirat, die maximale Punktzahl für Ökologie von 15 auf 30 herauf zu setzen, um ihr mehr Gewicht zu verleihen. Des weiteren sollten Kriterien wie „Klimaschutz“ und „Naherholungsfunktion“ explizit in die Bewertung aufgenommen werden.

Inwieweit der Kreis Einfluss auf die Regionalplanung nehmen kann, bleibt abzuwarten. Zunächst wird das Thema am 12. September im Kreis-Umweltausschuss beraten. Bis zum 30. September können Kreis und Kommunen ihre Stellungnahme zum Regionalplan abgeben.

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