Mettmann Beatboxer im Anzug

Mettmann · Vermögensberater Maxim Tschistjakow lernte als Jugendlicher das Beatboxen. Das ist immer noch wichtig für den heute 25-Jährigen aus Erkrath, der im Beruf Anzug trägt und in seiner Freizeit in lockerem Outfit Musik mit dem Mund macht.

 Im Job sitzt Maxim Tschistjakow seriös im Anzug hinter dem Schreibtisch. Vor seinen Kollegen ist er auch schon aufgetreten – ohne Sakko.

Im Job sitzt Maxim Tschistjakow seriös im Anzug hinter dem Schreibtisch. Vor seinen Kollegen ist er auch schon aufgetreten – ohne Sakko.

Foto: Olaf Staschik

Hochdahl Wozu sonst eine ganze Band anrücken muss, braucht Maxim Tschistjakow (25) nichts weiter als Mund, Zunge, Kehlkopf, Nase. Der so genannte Beatboxer lässt ein ganzes Schlagzeug erklingen. Mehr noch. Er schaltet mehrere Melodien, Rhythmen und Effektgeräusche gleich und erzeugt eine multidimensionale Klangkulisse — wohlgemerkt ohne Instrumente. Man fragt sich, woher der Perkussionsrhythmus kommt, die plötzlich einsetzende High-hat, die Snare, die Kick, die Base und dann noch die gesummte Melodie eines bekannten Hip-Hop-Liedes?

 Lässig auf der Bühne: Maxim Tschistjakow bei einem Auftritt.

Lässig auf der Bühne: Maxim Tschistjakow bei einem Auftritt.

Foto: privat

Geräusche imitiert

Es ist jahrelange Übung, sagt der drahtige junge Mann. Doch die Anfänge seien eher unspektakulär gewesen. Maxim erzählt: Er habe schon immer, soweit er sich erinnern kann, Geräusche imitiert, ob es die Pistole war oder der brummende Motor. Dann irgendwann kamen Rhythmus und Melodie hinzu. Beatboxen kann man überall und immer zwischendurch, sagt Maxim. In den ersten drei Jahren kamen auf dem Weg zur Schule, unter der Dusche oder beim Treffen mit seinen Freunden rund drei Stunden täglich zusammen. Das Hochdahler Umfeld war es auch, das ihm die Motivation gegeben hat, weiterzumachen. Vor sechs Jahren hatte er neben anderen Hochdahler Hip-Hop-Künstlern seinen ersten Auftritt im Düsseldorfer Stahlwerk. Er selber habe sich nie um Auftritte bemüht oder sich von der Bühne abhängig gemacht. Der Spaß an der außergewöhnlichen, musikalischen Betätigung stand für ihn schon immer im Vordergrund. Es folgten weitere Auftritte in der Hochdahler Stadthalle, beim Schülerband-Festival in Mettmann, beim Schülerfest des Hildener Berufkollegs, zuletzt im Erkrather Posemarré. Heute steht Maxim beinahe alle zwei Monate auf der Bühne, immer wenn seine alten Freunde ihn mal wieder fragen. Darüber hinaus kann er in vielen Situationen Nutzen aus seiner musikalischen Zeit ziehen. Überhaupt ist er ein wenig mehr aus sich herausgekommen, sagt der sonst eher etwas zurückhaltende Vermögensberater.

Maxim zitiert Goethe

Die Firma, bei der er seit zwei Jahren arbeitet, fördert auch sein musikalisches Talent. Neulich wurde er gebeten, bei einem Direktionsmeeting vor rund 600 Kollegen aufzutreten und erntete dafür unerwartet großen Applaus. "Der Saal war voll mit den ranghöchsten Mitarbeitern, alle im Anzug, und ich legte mein Sakko ab, nahm das Mikro und ging zur Bühne", sagt Maxim schmunzelnd.

Beatboxen macht ihm immer noch Spaß. Er nutzt es als Ausgleich. Es ist das einzige Instrument, das er beherrscht. Das große Geld wollte er mit seinen Fähigkeiten nie machen. Das sei auch sehr schwer. An junge Beatboxer gibt er den Rat weiter, nie aufzuhören, immer weiterzumachen und Spaß dabei zu haben. Dabei zitiert er Goethe: "Erfolg hat drei Buchstaben — Tun!"

(uet)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort