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Baustopp kostet Investor rund 30.000 Euro

Alte Posthalterei in Mettmann : Baustopp kostet Investor rund 30.000 Euro

Die Bausubstanz der Alten Posthalterei ist nicht mehr zu retten. Die Stadt hat jetzt die Erlaubnis zum Abriss gegeben.

Der Blick auf den Kalender macht den Investor des Neubaus auf dem Gelände der Alten Posthalterei in Mettmann derzeit wütend. Eigentlich hätte der Abriss des alten Gebäudes längst erledigt sein können. Stattdessen werden nun alle seine Projekte durcheinander gewürfelt. Der Zeitplan für dieses Projekt ist nicht mehr zu halten. „Der Abriss sollte Ende Januar fertig sein. Ende dieses Jahres sollte die Fertigstellung des gesamten Ensembles erfolgen. Jetzt müssen wir damit rechnen, dass dieser Zustand auf unbestimmte Zeit erst mal so bleibt“, ärgert sich der Unternehmer, der seinen Namen in der Zeitung nicht genannt wissen will.

Die Tage der Alten Posthalterei sind gezählt. Alle Kenner der Stadt Mettmann sind sich einig: Sie ist ein historisch bedeutsames Gebäude. Das Mittelhaus wurde 1645 erstmals urkundlich erwähnt. Bei geführten Rundgängen durch die Altstadt machen die Gruppen Station in ihrem Hof. Hier ist ein Stück der alten Stadtmauer zu sehen. Der Schelmenturm hatte hier seinen Platz. Doch das Gebäude stand nie explizit unter Denkmalschutz, und es verfiel zusehends – bis es ein Investor aus Düsseldorf kaufte, um das Gelände mit einer urbanen Bebauung weiter zu entwickeln. Er verließ sich dabei auf ein Gutachten der bei der Stadt Mettmann angesiedelten unteren Denkmalbehörde aus dem Jahre 2009, dem zufolge die Immobilie zwar den Denkmalschutz verdient hätte, sie aber nicht mehr denkmalfähig ist.

Zu viele Veränderungen hatten die privaten Vorbesitzer daran vorgenommen, mit zum Teil dramatischen Auswirkungen auf die Bausubstanz. Fachwerk wurde Kalksandstein ersetzt, das begünstigte Schimmel und Schwamm. „Das ist wirklich ein Sakrileg“, sagt Architekt Karl Josef Stamm, der gemeinsam mit seiner Partnerin Inge Jarmer die Entwürfe für die Neubauten erstellte. Es ist ja nicht so, dass Stamm auf Biegen und Brechen einen Neubau hinstellen wollen. Auch für Altbauten schlägt sein Herz, und es ist für ihn ein Jammer, dass für den Erhalt des Gebäudes nie wirklich etwas getan wurde.

„Das Schlimme ist, dass so etwas passieren kann, ohne dass jemand etwas dagegen tut“, sagt er. Denn auch ohne expliziten Denkmalschutz hätte die Alte Posthalterei erhalten werden können, gilt doch für die Oberstadt in Mettmann eine Gestaltungssatzung. Darin heißt es beispielsweise: „Renovierungen an bestehenden Fassaden sind nur im Stil ihrer Zeitepoche zulässig.“

Dies aber ist nicht geschehen, und so galt der alte Gebäudekomplex am Ende als abbruchreif. Die Bürger- und Heimatvereinigung „Aule Mettmanner“ wollte sich damit nicht abfinden und hatte kürzlich nach Bekanntwerden der Pläne des Investors beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) – der oberen Denkmalbehörde – eine Überprüfung der Denkmalwürdigkeit der „Alten Posthalterei“ beantragt. Damit musste der neue Eigentümer sämtliche Arbeiten erst einmal ruhen lassen. Denn die „Alte Posthalterei“ wurde vorläufig unter Schutz gestellt. Doch nach eingehender erneuter Begutachtung kam nach der bei der Stadt angesiedelten unteren nun auch die obere Denkmalbehörde zu dem Schluss, dass die Gebäude nicht denkmalfähig sind. Also kommt nun doch der Abriss. Der Baustopp mit erneutem Gutachten aber kostet den Investor einen Betrag von rund 30.000 Euro. Geld, das er lieber gespendet hätte – auch an die Aulen Mettmanner, wie der Eigentümer bedauert. Jetzt also könnte es losgehen mit Abriss und Neubau, tut es aber nicht, denn der Investor hat noch weitere Projekte. Und weil in Mettmann Baustopp angesagt war, hat er seine Bautrupps weiter geschickt. Aktuell arbeiten sie an einer Reithalle in Büttgen. Wann er die Alte Posthalterei dazwischen schieben kann? Er weiß es noch nicht. Immerhin, die Abrissgenehmigung ist erteilt. Die Architekten Stamm und Jarmer haben Pläne für Neubauten erstellt, die die historische Form der Alten Posthalterei aufnehmen. Denn das historische Gebäude bestand aus drei Häusern, und auf dem Gelände sollen drei Einfamilienhäuser entstehen. Die gusseisernen Säulen des alten Gebäudes bleiben erhalten. Außerdem wird die Stadtmauer frei gelegt, so dass diese künftig noch besser zu sehen ist, verspricht der Investor.

Und auch für das Haus an der Ecke, das einst Sozialwohnungen beheimatete, hat der Investor Gestaltungspläne, die die Historie des Standortes wieder aufnehmen. „Es freuen sich alle drumherum, dass hier was passiert“, weiß er.

Das bestätigt Ursula Blum vom gegenüberliegenden Restaurant „La Pieve“: „Das, was vorher war, war doch nur, dem Verfall zuzugucken“, denn die alten Eigentümer hätten die Häuser nie renoviert. Jetzt aber gebe es die Chance, dass etwas Ansehnliches entsteht, hofft die Gastronomin.