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Mettmann: Bauern fürchten um Äcker

Mettmann : Bauern fürchten um Äcker

Die Kreisbauernschaft sorgt sich, die Energiewende ginge zu ihren Lasten. Vorsitzender Martin Dahlmann und Kreislandwirt Karl Bröcker fordern von Politikern, sich für die Landwirtschaft einzusetzen.

Velbert/Mettmann In einer lebhaften Diskussion erläuterten der Vorsitzende der Mettmanner Kreisbauernschaft, Martin Dahlmann, und Kreislandwirt Karl Bröcker den CDU-Bundestagsabgeordneten Michaela Noll und Peter Beyer ihre Sorgen angesichts der Energiewende. Die Politiker waren auf Einladung der Kreisbauernschaft Mettmann nach Velbert gekommen, um sich in dem Betrieb der Familie Michael Greshake zu informieren. Die Landwirte im Kreis Mettmann befürchten, dass der Wechsel von der Atomenergie hin zu regenerativen Energien auf ihrem Rücken ausgetragen werden könnte.

Für die Energiewende

"Wir sind für die Energiewende und für den Atomausstieg", sagte Dahlmann. Die Bauern wehren sich allerdings dagegen, dass das ihnen nicht nur Acker- und Weideflächen für den Bau von Windkraftanlagen und Stromleitungstrassen genommen werden, sondern dass sie nach dem geltenden Recht auch noch Flächen für den Naturschutzausgleich hergeben sollen. So würde eine einzige Windkraftanlage mit einer Nabenhöhe von 150 Metern nach dem Naturschutzgesetz Renaturierungsmaßnahmen auf einer Fläche von bis zu vier Hektar erfordern. Diese Fläche, so fürchten sie, würde Land- und Forstwirten verloren gehen.

Gewarnt sind die Landwirte durch den Bau der A 44. Kreislandwirt Bröcker wies die Abgeordneten darauf hin, dass für den Bau der Autobahn zwischen Ratingen und Velbert technisch rund 30 Hektar benötigt würden. Da aber der Ausgleich dieses baulichen Eingriffs in die Natur bei land- und forstwirtschaflichen Flächen gesucht wird, gehen insgesamt 220 Hektar Weiden, Äcker und Wald verloren. Dies sei unverhältnismäßig. Sauer sind die Landwirte auch, weil sie von der Bundespolitik bei der Vorbereitung der Beschlüsse zur Energiewende nicht einbezogen wurden.

Neben der Produktion von Lebensmitteln leisten die Landwirte bereits einen Beitrag zur Energiewende, indem sie Biomasse produzieren. Werden auf ihrem Grund Windkraftanlagen und Strommasten errichtet, so leisten sie auch damit einen Beitrag zur Energiewende — indem sie Land hergeben für die Bauwerke und damit für die Stromproduktion aus regenerativen Energien. Nicht hinnehmbar sei, so Dahlmann, dass sie obendrein auch noch Land für die Ausgleichsmaßnahmen des Naturschutzes hergeben sollen. Dahlmann: "Diese zweifache Inanspruchnahme ist nicht akzeptabel."

Grund und Boden sind nicht vermehrbar, so die Landwirte. Getreide für Brot und Futter für das Vieh im Stall wächst aber nur auf Ackerkrume. Gerade in einem Ballungsraum wie dem Kreis Mettmann seien die Begehrlichkeiten für Wohnen, Verkehr und Gewerbe nach Grund und Boden hoch. Mit der Energiewende fürchten sie neue Belastungen und fordern von den Politikern, sich in Berlin für die Interessen der Bauern einzusetzen.

Versprechungen machten Noll und Beyer freilich nicht. Nur soviel sagten sie zu: Sie werden sich an die Bürgermeisterkonferenz des Kreises Mettmann wenden, um dort für Verständnis für die Landwirte zu werben. Denn auch der Konkurrenzkampf der Städte untereinander um Betriebe und Einwohner mit Gewerbegebieten und neuen Siedlungen belastet die Landwirtschaft. Noll und Beyer wollen erreichen, dass der Kreis Mettmann bei der Realisierung der Energiewende mit einer Stimme spricht.

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(RP)