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Mettmann: Bäume sind rätselhafte Wesen

Mettmann : Bäume sind rätselhafte Wesen

Serie Lernort Natur: Stürmische Erfahrungen sind meist schmerzhafter Natur. Doch der Schiefstand wird ausgeglichen.

Bäume sind rätselhafte Wesen. Sie spenden in der Sommerhitze wohltuenden Schatten und lassen den Herbstwind durch ihr buntes Laub rauschen. Manchmal ahnen wir, dass unter ihrer rauen Rinde viele Geheimnisse verborgen sein könnten, von denen wir nichts wissen. Könnten die 1000-jährigen Eiben auf Gut Burwinkel in Mettmann Geschichten erzählen, würde es wohl lange dauern, bis alles gesagt ist. Obwohl sie in Wahrheit deutlich jünger sein dürften, gehören die immergrünen Nadelbäume zu den ältesten Bäumen im Neanderland. "In Wülfrath gibt es noch eine Buche, die mit weit über 200 Jahren auch schon ein sehr altes Exemplar ist", weiß Lothar Schnegelsberg. Wenn es um Bäume geht, so kennt der Leiter des Forstbetriebsbezirkes Niederberg jedenfalls die meisten ihrer Geheimnisse. "Da können sie mich bei Vollmond nachts wecken und ich kann schon beim Blick von weitem auf die Silhouette sagen, was für ein Baum das ist", plaudert der Experte aus dem Nähkästchen. Und das ist reichlich gefüllt mit dem, was Bäume über sich verraten. So kann man ziemlich genau sehen, wie es ihnen geht, woher sie kommen und wohin sie wollen.

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Wer macht sich beim Waldspaziergang schon Gedanken darüber, dass ein schief gewachsener Baum irgendwie aus dem Gleichgewicht geraten sein könnte und das solche "schräge Typen" womöglich große Schwierigkeiten haben, wieder auf die richtige Bahn zu kommen. "Die Wurzeln wollen sich immer zum Erdmittelpunkt ausrichten. Meist stehen die Bäume dann zu sehr im Wind und zumindest Nadelbäume bilden das so genannte Rotholz, um den Schiefstand auszugleichen", weiß Lothar Schnegelsberg. Übrigens: Stürmische Erfahrungen sind für Bäume vor allem schmerzhafter Natur. Heftige Windböen führen zu kleinen Rissen im Stamm. Der Baum spürt die qualvolle Überdehnung und versucht, solche Verletzungen künftig zu vermeiden, indem er die gegenüberliegende Seite des Stammes verstärkt. Auch an Selbstheilungskräften scheint es den Bäumen nicht zu mangeln. "Das sieht man an den Chinesenbärten. Das sind die Überwallungen, die ein Baum beim Verlust eines Astes bildet, um die Wunde zu schließen", so der Experte zur "Körpersprache" der Bäume.

Dazu gehört auch der Angsttrieb, den Bäume ausbilden, wenn sie ernsthaft in Not geraten. "Wenn man an Bäumen Nottriebe entdeckt, geht es oft ums Überleben. Es geht ihnen dann nicht gut und sie wollen durch die Triebe ihren Fortbestand sichern", so Schnegelsberg. Da wird dann auch schon mal mit der Konkurrenz gerangelt, um beim Kampf ums Licht die Krone vorn zu haben. Solche Streithähne lassen sich daran erkennen, das jeder eine gleichmäßig ausgedehnte Krone hat - also auch zur Seite des Rivalen hin.

Wer also aufmerksam durchs Neanderland wandert, dem verraten Bäume auch jenseits von Wurzel und Rinde ihre Geheimnisse. So kann man offenbar auch sehen, ob ein Baum seine Äste noch sicher halten kann. "Je größer die Blätter, desto stabiler der Ast", erklärt Lothar Schnegelsberg ein Phänomen, das ihm bei der Beurteilung von Bäumen hilft. Zwar wird nicht jeder Baum im Neanderland regelmäßig in Augenschein genommen. "Aber wir machen Stichproben und begutachten über Jahre hinweg immer die gleichen Bäume. So kann man die Entwicklung beobachten." Schaut man auf junge Bäumchen, die in der Freiheit der Wälder aufwachsen, so wird klar: Sie werden von ihren Baumeltern im Wachstum gebremst. Schnell geht da gar nichts, und das soll es auch nicht. Das wenige Licht, das durch die Kronen der "Großen" nach unten durchdringt, lässt die "Kleinen" langsam wachsen. Um ihnen über das Schlimmste hinweg zu helfen, knüpfen die Mutterbäume zarte Bande über die Wurzeln, um ihren Nachwuchs mit Zuckerlösung zu versorgen.

Und wie war das noch gleich mit dem sauren Regen? Oder dem Waldsterben? Zumindest im Moment treiben diese Fragen Förster Schnegelsberg keine Sorgenfalten auf die Stirn. "Auch hier bei uns geht es dem Wald wieder besser", gibt er Entwarnung in Sachen Waldgesundheit. "Die Eiche ist unser Sorgenkind und kränkelt noch, aber den Fichten und den Buchen geht es wieder gut."

(magu)