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Mettmann: Aufbruchstimmung im Stadtsportverband

Mettmann : Aufbruchstimmung im Stadtsportverband

Nach Chaos und jahrelangen Querelen um die Führung von 34 Vereinen soll nun Ruhe im Mettmanner Sport einkehren.

Es fehlte eigentlich nur noch, dass Hartmut Dierich am Ende seines Vortrags mit einem Hut herumgelaufen wäre und um ein paar Münzen für das künftige Wohl des Stadtsportverbandes (SSV) gebettelt hätte. Der neue Vorsitzende der Vertretung von 34 Mettmanner Vereinen machte gestern Abend seinen Antrittsbesuch im Sportausschuss — und beschrieb in dramatischen Worten, wie tief unten der Stadtsportverband ganz unten angekommen ist. Kein Geld, keine Unterlagen, keine Räume, keine Infrastruktur, dafür Rechnungen und Außenstände. "Wir hoffen, dass wir den Stadtsportverband retten können", sagte er.

Mehr als zwei Jahre lag der Stadtsportverband Mettmann am Boden. Hätten sich die 34 Vereine im Stadtgebiet im September 2012 nicht zu einer neuen Vorstandswahl zusammengerauft, stünde der SSV kurz vor der Auflösung. Vor allem persönliche Animositäten, Rivalitäten und Feindschaften der vier Vorsitzenden in den zwei Jahren hatten zum bedauernswerten Zustand geführt.

Fakt ist: Die Ex-Vorsitzenden Peter Spill (führte den Verband lange Jahre bis 2010) und Laslo Kotai (2010 bis 2011) fühlten sich in ihren Amtszeiten von dem mit Abstand größten Mettmanner Sportverein ME-Sport bevormundet und immer wieder unter Druck gesetzt. ME-Sport ist einer von 34 Vereinen im Stadtsportverband, stellt aber mit mehr als 5000 Mitgliedern gut die Hälfte aller im SSV organisierten Sportler. "Und trotzdem haben wir nur vier Stimmanteile von insgesamt 68 im Stadtsportverband", kritisierte der ME-Sport-Vorsitzende Martin Auerbach auf dem Höhepunkt der Streitigkeiten im vergangenen Herbst.

Er hatte nach dem Rückzug des damaligen Vorsitzenden Laslo Kotai im Herbst 2011 die Verantwortung im SSV übernommen. Das Amtsgericht erklärte seine Wahl damals aber für nichtig, anschließend dümpelte der Stadtsportverband führungslos vor sich hin.

Dierich kennt diese ganze Vorgeschichte, mochte gestern keine dreckige Wäsche waschen, erinnerte aber an die momentan schwierige Situation. Es müsse erst einmal wieder die Geschäftsfähigkeit hergestellt werden, gab Dierich zu. Die Konten bei der Kreissparkasse zum Beispiel waren im Herbst 2012 gesperrt. Zudem hatten mehr als die Hälfte der 34 Vereine ihren Beitrag zum Stadtsportverband in den Jahren 2010 und 2011 nicht bezahlt. Zudem fehlten Vertragsunterlagen, Rechnungen, Jahresabschlüsse, das Chaos war so groß, dass Dierich dem Ausschuss ein beeindruckendes Foto zeigte: Lediglich 15 spärlich gefüllte Aktenordner sind aus 85 Jahren Stadtsportverband auffindbar.

Das Finanzamt macht zudem Druck: Bis zum 31. Mai will der SSV die Umsatzsteuerbefreiung durchgesetzt haben. Das Durcheinander der vergangenen zwei Jahre macht eine mehr als 1000 Euro teure Telekom-Rechnung perfekt. Bei der Aufgabe der Geschäftsstelle hatte man im Herbst 2011 schlicht vergessen, das Telefon zu kündigen.

Doch auch für ein klein bisschen Vorschau warb Dierich. Die Kindersportabzeichen werden Anfang des Jahres abgenommen, es gibt Seminarangebote für Vereine, Sporttage sollen initiiert werden, das neue Sportzentrum will man im Spätsommer miteröffnen. Außerdem sollen Sportlerehrungen auch weiterhin das Gemeinschaftsgefühl im Mettmanner Sport stärken.

(RP/ila)