Mettmann: Auf dem Weg der Befreiung

Mettmann: Auf dem Weg der Befreiung

Sechs Stelen sollen an die Rettung Düsseldorfs vor einem US-Bombenangriff am Kriegsende erinnern. Zwei Männer hatten sich trotz Nazi-Durchhaltebefehls zu den Amerikanern nach Mettmann durchgeschlagen.

Noch in diesem Sommer soll das Projekt "Weg der Befreiung" realisiert werden, mit dem die Mahn- und Gedenkstätte an die dramatische Rettung der Stadt Düsseldorf in den letzten Kriegsstunden im April 1945 erinnern will. Sechs Stelen werden den Weg markieren, den Aloys Odenthal und August Wiedenhofen von der Widerstandsgruppe "Aktion Rheinland" damals zum US-Quartier in Mettmann zurücklegten, um einen weiteren (vernichtenden) Bombenangriff auf die heutige Landeshauptstadt zu verhindern. Die Bezirksvertretungen 1 und 3 beteiligen sich neben der BV 7 finanziell an dem knapp 30 000 Euro teuren Projekt. Den Hauptanteil trägt die Mahn- und Gedenkstätte.

Einen weiteren Angriff verhindern

Am 16. April war Düsseldorf fast vollständig von den amerikanischen Truppen um geben. Dennoch befahl NS-Gauleiter Florian, die Stadt mit allen Mitteln zu halten. Odenthal und Wiedenhofen wollten einen weiteren Angriff jedoch unbedingt verhindern. Die beiden Männer gehörten der Gruppe "Aktion Rheinland", die sich regelmäßig in der Wohnung des Bäckers Josef Lauxtermann traf. Dort am, Fürstenwall 74, wird die erste Stele aufgestellt.

Die zweite soll am Jürgensplatz am Polizeipräsidium errichtet werden. An dieser Stelle bekamen Odenthal und Wiedenhofen vom Leiter der Schutzpolizei, Franz Jürgens, heimlich ein Auto zur Verfügung gestellt. Jürgens wurde kurz drauf gemeinsam mit vier weiteren Männern hingerichtet, nachdem diese versucht hatten, den SS-Führer der Stadt festzunehmen. Der Platz der Erschießung an der Färberstraße bekommt jedoch keine Stele. Dort gibt es bereits eine Gedenkstätte. Standort der dritten Stele wird die Straße Auf der Hardt in Gerresheim sein, von wo aus die beiden Männer sich zu Fuß weiter gen Mettmann aufmachten.

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Unterschlupf gewährt

An der Lakronstraße (vierte Stele) verabschiedete sich Odenthal dann von seiner Frau. In Hubbelrath an der Pfarrkirche St. Cäcilia wird die fünfte Stele aufgestellt. Der dortige Pfarrer Petri gewährte den beiden Männern Unterschlupf.

In Mettmann am heutigen Rathaus, damals Sitz der Kreisverwaltung Düsseldorf-Mettmann, schließlich wird die sechste Stele errichtet. Dort hatten die Amerikaner ihr Quartier, als Odenthal und Wiedenhofen eintrafen. Die beiden Vermittler waren schließlich erfolgreich: Ein letzter Luftangriff mit 800 Bombern, der unmittelbar bevorstand, konnte verhindert werden. Am 17. April zogen die US-Truppen in Düsseldorf ein, nennenswerten Widerstand gab es nicht. Odenthal und Wiedenhofen fuhren auf den Panzern mit in die Stadt ein.

Auf jüngst aufgetauchten historischen Filmdokumenten ist Odenthal als Mann mit Hut zu erkennen. Die Stelen sollen im Herbst der Öffentlichkeit übergeben werden.

(RP)
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