Erkrath: Armut: Jedes vierte Kind betroffen

Erkrath: Armut: Jedes vierte Kind betroffen

Das Lokale Bündnis für Familie lud zu einer Podiumsdiskussion ein. Um Kinderarmut zu bekämpfen, sollten die Eltern schon bei der Geburt im Krankenhaus beraten werden. Die zahlreichen Hilfsangebote in Erkrath müssen besser koordiniert werden.

In Erkrath muss zwar kein Kinder hungern, aber wenn die Eltern nicht genug verdienen oder von knappen Sozialleistungen leben, fällt es früher oder später in Schule oder Kindergarten auf. Im tiefsten Winter fehlt die dicke Jacke oder der warme Pullover. Kurz vor Klassenausflügen oder Fahrten sind die Kinder auf einmal krank. Das warme Mittagessen in der Schule für ihre Kinder können sich Eltern ebenfalls nicht mehr leisten. Was man in Erkrath gegen Kinderarmut tun kann — das war der Titel einer Podiumsdiskussion, zu der das Lokale Bündnis für Familie am Samstag in die Johanniter Begegnungsstätte geladen hatte.

Die Diskussions-Leitung hatte Annegret Pollmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Erkrath. Zu einem Referat war Dr. med. Wilfried Kratzsch eingeladen worden. Als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin gilt er als kompetenter Fachmann. Wichtigste Maßnahme zur Bewältigung der Kinderarmut ist seiner Ansicht nach die Prävention. Im Krankenhaus, dort wo die Kinder geboren werden, muss die Elternberatung einsetzen.

Denn nicht die Kinderarmut müsse zuerst bekämpft werden, sondern die Eltern müssten in die Verantwortung genommen werden. Die teuren Kinder-Gesundheits-"Reparaturen" wie kariöse Zähne aufgrund hohen Zuckerkonsums, Übergewicht, sogar Unfallgefährdung und Schulproblematik oder gar Kriminalität können nur durch Aufklärung und Bildung bekämpft werden. In NRW ist jedes 4. Kind von Kinderarmut betroffen. Wenn diese Statistik auf Erkrath übertragen wird, dann sind das hier 1750 Kinder.

Netzwerke ausbauen

Dr. Kratzsch ist nicht der Meinung, dass zusätzliche Geldmittel das Problem lösen. Es müssen die vorhandenen Netzwerke ausgebaut und koordiniert werden, auch in Erkrath. Als Sofortmaßnahme schlug er vor, zwei Brennpunkt-Kindergärten in Millrath und in der Sandheide ins Visier zu nehmen. Dort solle gezielt gefördert werden, zum Beispiel mit Sprachunterricht und Elternberatung. Ob dafür genug Geld da ist, bezweifelte angesichts der desolaten Haushaltslage RP-Redakteur Oliver Wiegand, der als Gast an der Diskussion teilnahm. Uwe Krüger, Jugendamtsleiter der Stadt Erkrath, verwies auf die Erfolge der "interkulturellen Berater", die im Auftrag der Stadt viele ausländische Familien besuchen, deren Kinder nicht im Kindergarten sind. Im Kinderhaus Sandheide erhalten bis zu 60 Kinder täglich eine Mahlzeit.

Ein gutes Beispiel für die Unterstützung von Hochdahler Kindern beschrieb Gabriela Klosa, Leiterin des Kinder- und Jugendhilfezentrums im TSV Hochdahl. Dort erhalten Kinder Hausaufgabenbetreuung. Bis zu 80 Prozent der Kinder kommen aus Familien mit Migrationshintergrund.

(RP)